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Reihe I: Allgemeiner, politischer und historischer Briefwechsel

Reihe I der historisch-kritischen Edition Gottfried Wilhelm Leibniz: Sämtliche Schriften und Briefe umfasst die gesamte Korrespondenz von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), soweit diese nicht Reihe II: Philosophischer Briefwechsel oder  Reihe III: Mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Briefwechsel zugeordnet wurde.

Von circa 20.000 überlieferten Briefen von und an Leibniz befindet sich der überwiegende Teil im Leibniz-Nachlass in der GWLB. Ein kleinerer Teil wird an in- und ausländischen Bibliotheken und Archiven verwahrt, einige sind in Privatbesitz. Ein und derselbe Brief kann mehrfach überliefert sein, etwa als Konzept und als versendete Abfertigung. Zudem erfolgten schon zu Leibniz’ Lebzeiten erste Veröffentlichungen. Noch vor Beginn der Akademie-Ausgabe lag die Zahl der an verschiedenen Stellen gedruckten Briefe im vierstelligen Bereich. Dennoch werden die meisten Briefe in Reihe I erstmals publiziert. Die Edition erfolgt nach den handschriftlichen Originalen, soweit diese noch existieren und zugänglich sind. Als Grundlage der Bearbeitung kann auf den Arbeitskatalog der Leibniz-Edition und teils auf bereits erstellte Transkriptionen zurückgegriffen werden.

Reihe I begann als erste der acht Reihen der Akademie-Ausgabe und hat derzeit den größten Umfang. Seit 1923 wurden 26 Bände und ein Supplementband veröffentlicht. Sie umfassen die Jahre 1668 bis 1706. Die Bearbeitung erfolgt gegenwärtig in zwei Teams mit je zwei Personen: Malte-Ludolf Babin und Katja Reetz erstellen Band 27, Monika Meier und Thomas Stockinger Band 28. Die Erfassung von Texten sowie Layout und Umbruch der Bände erfolgen durch Isolde Hein mit dem Satzprogramm TeX.

Verglichen mit den anderen Briefwechsel-Reihen ist Reihe I inhaltlich besonders vielfältig. Einen großen Themenbereich bildet Leibniz’ politisches Wirken im weitesten Sinne: das Streben nach Lebensbedingungen, die sich immer mehr dem bonum commune, dem allgemeinen Wohl, annähern ließen. Nachzuverfolgen sind seine Bemühungen um die Einheit der christlichen Konfessionen sowie um einen Austausch Europas mit China. In diesen Bereich gehören auch seine Beiträge zum Erwerb der Kurfürstenwürde für seine Dienstherren aus dem Welfenhaus und später zur Vorbereitung ihrer Nachfolge auf den englischen Thron. Wir sehen seine Vorschläge zum Maschineneinsatz für höhere Erträge im Harzbergbau ebenso wie für eine öffentliche Gesundheitsvorsorge oder eine Brandschutzversicherung. Vieles davon wurde zu Leibniz’ Lebzeiten nicht umgesetzt.

Als Bibliothekar und Geschichtsschreiber der Welfen arbeitete Leibniz jahrzehntelang an einer umfassenden Geschichte dieser Dynastie und ihres Landes. Dabei legte er großen Wert auf die Benutzung von kritisch geprüften Originalquellen. Die historische Forschung gehört zu den Wissenschaften, die damals die Grundlagen ihrer heutigen Arbeitsmethoden legten.

Die Korrespondenz bietet vielfältige Einblicke in die Arbeitsweise von Gelehrten um 1700. Diese waren geleitet vom Streben nach wissenschaftlicher Durchdringung der Welt, das die Zeit der Frühaufklärung prägte. Medien und Institutionen der Wissenschaften formierten sich neu. Leibniz betrieb die Einrichtung von wissenschaftlichen Gesellschaften – insbesondere die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften feiert ihn als ihren Gründer. Er leitete die Bibliotheken in Wolfenbüttel und Hannover (die Vorläuferin der heutigen GWLB). Für die welfische Landesuniversität Helmstedt legte Leibniz Reformideen vor. Auch die Frühgeschichte des wissenschaftlichen Zeitschriftenwesens lässt sich aus seinem Briefwechsel mitverfolgen.

Reihe I enthält die Briefwechsel mit fürstlichen Patroninnen wie der preußischen Königin Sophie Charlotte, der Kurfürstin Sophie und Kronprinzessin Wilhelmine Caroline, mit Beamten und Diplomaten, mit Leibniz’ Verwandtschaft in Sachsen und nicht zuletzt mit den eigenen Bediensteten. Hier geht es mitunter auch um die Vorbereitung des Karnevals bei Hof oder das Umgraben von Leibniz’ Garten. Der Gelehrte wird somit in seinem gesamten kommunikativen und sozialen Umfeld sichtbar.

Mit dem Fortschreiten der Edition lässt sich Leibniz’ Leben und Wirken im Spiegel der Korrespondenz mitverfolgen. Schon die Begründer der Ausgabe sahen am Anfang des 20. Jahrhunderts voraus, dass Leibniz und sein Umfeld – so Louis Couturat – gleichsam „kinematographisch“, wie in einem Film, abgebildet würden. Die Perspektiven wechseln häufig und immer neue Facetten werden sichtbar.

Thematische Schwerpunkte einzelner Bände ergeben sich daraus, welche Geschehnisse und Anliegen Leibniz gerade besonders beschäftigten. Die Einleitungen zu den Bänden arbeiten diese Schwerpunkte heraus. Die sogenannten Kumulierten Verzeichnisse sowie die Personen- und Korrespondenz-Datenbank Leibniz-Connection erlauben die Suche nach Korrespondenzverläufen, Personen, Schriften und Sachbetreffen quer durch alle Bände der Ausgabe.

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