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Zerfall als Kunstform
Zerfall als Kunstform:
Leibnizbibliothek erwirbt einzigartige Kunstwerke von Hannes Möller
Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek bereichert ihren Bestand um zwei einzigartige Objekte, die der Künstler Hannes Möller in Rahmen seines Bibliotheken-Projekts realisiert hat. Dargestellt sind der Vorderschnitt des sogenannten „Granatsplitterbuchs“ sowie der Kopfschnitt eines stark von Hochwasser und Schimmel befallenen Werks aus dem 17. Jahrhundert. Die großformatigen fotorealistischen Kunstwerke sind ab sofort in der Dauerausstellung der Leibnizbibliothek zu sehen. In der Ausstellung sind Original und Abbild nebeneinander gestellt und verweisen aufeinander.
Hannes Möller ist seit vielen Jahren im Kosmos Bibliotheken unterwegs. Er sucht gezielt nach Motiven mit deutlichen Gebrauchsspuren, die er dann zum Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung macht. Vor Ort fotografiert er die Bücher, nimmt die Aufnahmen mit in sein Atelier nahe Frankfurt und beginnt zu malen. Auf die beiden besonderen Stücke der Leibnizbibliothek wurde er über eine Internetrecherche aufmerksam. Das sogenannte „Granatsplitterbuch“, ein Geschichtsband aus dem 19. Jahrhundert, wurde vermutlich während des 2. Weltkriegs durch einen Bombensplitter beschädigt. Dieser steckt im Fußschnitt des beschädigten Buchs fest – solch greif- und sichtbare Spuren der Zerstörung sind selten anzutreffen. Das zweite Buch weist durch einen starken Schimmelbefall eine ganz besondere ästhetische Qualität des Zerfalls auf, die Möller ebenfalls durch die Darstellung des Kopfschnitts herausgearbeitet hat.
In einer speziellen Mixed-Media-Technik, basierend auf Aquarell-/Gouache-Malerei auf Bütten, entstehen aus dieser Intention Möllers beeindruckende Bilder. Man könnte die Arbeiten gleichsam als Buch-Porträts klassifizieren – als mit künstlerischen Mitteln aus der Masse heraus gearbeitete Buch-Individuen.
Im Rahmen seines Bibliotheken-Projektes beschäftigt den Künstler Hannes Möller die Welt der Bücher und Bibliotheken. Inspiriert durch einen Besuch der Cusanus-Bibliothek in Bernkastel-Kues 2007 nimmt das Thema Buch schon bald großen Raum in seinem Schaffen ein. Er bereist große, berühmte, aber auch kleine, unbekannte Bibliotheken in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, England und Belgien. Durch ihre Bestände, Geschichte, Architektur oder Größe ist ihm jede Bibliothek eine einzigartige, inspirierende Station auf dem Weg zu den Büchern. Durch besondere Eigenheiten wie Farben, Licht, Geruch, Staub erhält sie zusätzlich ihren ganz besonderen, typischen, manchmal geheimnisvollen Ausdruck.