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Januar bis April 2017

Mai bis August 2017

September bis Dezember 2017

Januar bis April 2018

Mai bis August 2018

Di 27.11.2018 | 17.00 Uhr | Die Freunde und Förderer der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek präsentieren:
AUS DER SCHATZKAMMER

Françoise Leloutre

Ein stolzer Löwe, ein unglücklicher Rabe und ein
Storch im Park von Versailles


»Der Edelstein« von Ulrich Boner,
1461, Faks.-Ausg. 1972

Die Fabelsammlungen von Aesop bis Jean de La Fontaine sind bis heute ein dankbares und aufregendes Betätigungsfeld für Buchkünstler und Illustratoren. Die Inkunabel- und Cimeliensammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek liefert hierfür prachtvolle Beispiele, u.a. den sogenannten Neapel Aesop von 1485 oder ein Faksimile von Ulrich Boners »Der Edelstein«, das früheste gedruckte Buch in deutscher Sprache mit Holzschnittillustrationen von 1461. Präsentiert werden Werke dieser Gattung aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.
 

Françoise Leloutre, geb. 1950, studierte Literaturwissenschaft in Paris. Bis 2014 war sie Mitarbeiterin der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, unter anderem Fachreferentin für Romanistik.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter Tel. 0511 1267-363 oder per E-Mail an kultur@gwlb.de erforderlich.

Mo 26.11.2018 | 15.00 bis 17:00 Uhr | BÜCHERSPRECHSTUNDE


In unserer Büchersprechstunde informieren Sie Expertinnen und Experten aus dem Bereich historische Bestände und Restaurierung über die Bedeutung des mitgebrachten Buches, beraten zum Erhaltungszustand und helfen, weitere Informationen zu finden. Zum Wert von Büchern können grundsätzlich nur unverbindliche Angaben gemacht werden. Unsere Büchersprechstunde richtet sich an Privatpersonen. Pro Person werden maximal zwei Objekte besprochen.

Aufgrund der großen Nachfrage ist eine Anmeldung unter Tel. 0511 1267-363 oder per E-Mail an kultur@gwlb.de erforderlich.

Mi 21.11.2018 | 15.00 Uhr | BIBLIOTHEKSFÜHRUNG

Niedersachsen in zwei Stunden

Als Niedersächsische Landesbibliothek sammelt die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek umfassend die Literatur aus und über das Bundesland Niedersachsen. Neben Verlagsveröffentlichungen wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, gehören auch Kleinschrifttum, Vereinsschriften, Kirchenblätter und Karten dazu. Erschlossen wird diese Literatur, einschließlich der Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden, in der Niedersächsischen Bibliographie, in deren Online-Version zurzeit ca. 230.000 Titel verzeichnet sind. Eine weitere interessante Informationsquelle ist die Datenbank Niedersächsische Personen. Sie enthält kurze biographische Angaben sowie Literaturquellen zu ca. 35.000 Personen, die durch Lebensort, wissenschaftliche, geistig-kulturelle, politische oder andere Tätigkeiten einen signifikanten Bezug zu Niedersachsen haben.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann stellen wir Ihnen die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek auf unserer Tour NIEDERSACHSEN IN ZWEI STUNDEN gern vor und legen dabei den Schwerpunkt auf niedersächsische Landeskunde und Landesgeschichte. Auf spezielle Wünsche gehen wir nach Möglichkeit ein.

Dauer ca. 2 Stunden mit Führung durch die Bibliothek sowie einer Präsentation.
Anmeldung per Formular oder unter 0511.1267-397/-399 oder information@gwlb.de
Terminanfrage für eine Gruppenführung

Do 15.11.2018 | 17.00 Uhr | VORFÜHRUNG |
NOVEMBER DER WISSENSCHAFT

Dipl.-Ing. Klaus Badur und Wolfgang Rottstedt

Und sie rechnet doch! Vorführung des Nachbaus der Leibniz’schen Rechenmaschine


Nachbau der Leibniz’schen Rechenmaschine
von Klaus Badur und Wolfgang Rottstedt.
Foto: Torben Sudhob

Dipl.-Ing. Klaus Badur und Wolfgang Rottstedt präsentieren ihren in jahrelanger akribischer Arbeit hergestellten Nachbau der Leibniz’schen Vier-Spezies-Rechenmaschine. Anhand von praktischen Übungen wird die Funktionsweise der Rechenmaschine demonstriert und erläutert.
Leibniz entwickelte seine Rechenmaschine zwischen 1670 und 1716. Es handelt sich um eine mechanische Staffelwalzenmaschine, mit der erstmals neben Addition und Subtraktion auch Multiplikation und Division möglich waren. Mit seinem Konstruktionsprinzip legte Leibniz die Grundlagen für die vollständige mechanische Bearbeitung von Berechnungen aller Art. Damit ist er der Begründer einer Konstruktion für Rechenmaschinen, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Vorbild war.
 

Das Original der Rechenmaschine ist in der Ausstellung WISSENSWELTEN Bibliothek als Enzyklopädiezu sehen.

Mo 12.11.2018 | 17.00 Uhr | SONDERFÜHRUNG durch die Ausstellung

WISSENSWELTEN Bibliothek als Enzyklopädie

Niedersachsen zwischen zwei Buchdeckeln

Die Geschichte Niedersachsens ist vielfältig und bunt – und in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek zwischen zwei Buchdeckeln erlebbar. In einem Streifzug durch die Ausstellung WISSENSWELTEN. Bibliothek als Enzyklopädie zeigen Handschriften, Autographen und Karten Spannendes aus der niedersächsischen Buchgeschichte.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter Tel. 0511 1267-363 oder per E-Mail an kultur@gwlb.de erforderlich.

Mi 7.11.2018 | 13.30–18.00 Uhr |
NOVEMBER DER WISSENSCHAFT
HERBSTAKADEMIE der Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Vielfalt mit Geschichten erfahren.
Kulturelle Integration durch Lesen und Leseförderung


Lese-Start, Foto: Maike Kandziora

Die Herbstakademie ist ein seit 2015 jährlich stattfindendes Veranstaltungsformat der Akademie für Leseförderung Niedersachsen. Ziel ist eine stärkere Implementierung aktueller Forschungsergebnisse in die Praxis der Leseförderung. Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft und Praxis bietet die Herbstakademie eine Plattform zur Vernetzung. In diesem Jahr steht die kulturelle Integration durch Lesen und Leseförderung im Fokus. Geschichten, Literatur und Lesen haben für interkulturelle Lern- und Leseprozesse eine wichtige Bedeutung. Während der Tagung sollen wissenschaftliche Erkenntnisse in Vorträgen und gute Beispiele aus der Praxis im Rahmen von Werkstattgesprächen vorgestellt werden.

Näheres und Anmeldung unter: www.alf-hannover.de/veranstaltungen

Do 25.10.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft zum Themenschwerpunkt
Die Sintflut im Denken um 1700


Martino Martini, Sinicae historiae decas prima, 1658

Prof. Dr. Wenchao Li

War die Sintflut ein lokales Ereignis? Chinesische Geschichte versus biblische Überlieferung

Die Entdeckung chinesischer Frühgeschichte im 17. Jahrhundert drohte den überlieferten biblischen Rahmen zu sprengen, das angebliche hohe Alter chinesischer Sprache (ver)führte nur allzu leicht zu der Annahme, dass die Chinesen sich am Bau des Turms von Babel nicht beteiligt hatten. War die Sintflut doch nur ein lokales Ereignis? Und lässt sich anhand chinesischer Sprache die gemeinsame Sprache der Menschheit vor der Verwirrung rekonstruieren? Der Vortrag behandelt diese äußerst gelehrsame, zugleich kuriose und retrospektiv geradezu abstrus erscheinende Diskussion im historischen Kontext und versucht, deren aktuelle Bedeutung herauszuarbeiten.
 

Prof. Dr. Wenchao Li, geb. 1957 in Shaanxi, China, ist Leiter der Potsdamer Leibniz-Editionsstelle, von 2010 bis 2017 hatte er die Leibniz-Stiftungsprofessur in Hannover inne.


Marie Dettmer
Foto: Jutta Wollenberg

Do 18.10.2018 | 16.00 Uhr | LITERARISCHE FÜHRUNG durch die Ausstellung
WISSENSWELTEN Bibliothek als Enzyklopädie

Marie Dettmer

Reisen durch die WISSENSWELTEN

Auf einem Rundgang durch die Ausstellung WISSENSWELTEN. Bibliothek als Enzyklopädie hören Sie spannende und aufschlussreiche Literatur verschiedener Epochen zum Thema Reisen – ausgewählt und vorgetragen von der Rezitatorin Marie Dettmer.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter Tel. 0511 1267-363 oder per E-Mail an kultur@gwlb.de erforderlich.

Mi 10.10.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG und BUCHVORSTELLUNG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Heiko Droste

Das Geschäft mit Nachrichten. Ein barocker Markt für soziale Ressourcen

Eine Nachricht ist ein aktueller Bericht über publike oder partikuläre Ereignisse. Der Tausch von Nachrichten in Form von Korrespondenzen gehört seit der Antike zur Kultur der Freundschaft: Korrespondenzen begründen und verstärken soziale Beziehungen auf Gegenseitigkeit. Nachrichten sind somit Grundlage eines sozialen Kredits, der als eine Ressource genutzt werden kann – sie sind ein Geschäft. In seinem Vortrag analysiert Prof. Dr. Heiko Droste dieses Geschäft mit Nachrichten als Teil eines Marktes für soziale Ressourcen im 17. Jahrhundert. Mitglieder von Funktionseliten tauschten Nachrichten gegen Teilhabe an Netzwerken sowie Partizipation an Herrschaft ein. Die gegenseitige Korrespondenz war damit ein Medium der Vergesellschaftung dieser Eliten, zumal im Brief räumliche und soziale Distanzen überwunden wurden. Dieser Markt war Voraussetzung für die Entstehung des öffentlichen Nachrichtenwesens.

Prof. Dr. Heiko Droste, geb. 1963, studierte Geschichte, Bibliothekswissenschaft und Politische Wissenschaft an der Universität Köln. Nach der Promotion 1994 widmete er sich Studien zur schwedischen, baltischen und deutschen Geschichte im 17. Jahrhundert. Seit 2015 ist er Professor für Stadtgeschichte an der Universität Stockholm.

BUCHINFORMATION

Heiko Droste:
Das Geschäft mit Nachrichten. Ein barocker Markt für soziale Ressourcen
Bremen: edition lumière, 2018
324 Seiten
44,80 Euro
ISBN: 978-3-943245-89-9

Do 27.9.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft zum Themenschwerpunkt
Die Sintflut im Denken um 1700


Haifischkopf mit versteinerten Haifischzähnen.
Gottfried Wilhelm Leibniz, Protogaea, 1749

Prof. Dr. Michael Kempe

Tod des Feuersalamanders. Sintflut, Erdgeschichte und Entwicklung des Lebens bei Gottfried Wilhelm Leibniz

Wie alt ist unsere Erde? Auf welche Weise hat sich das Leben auf diesem Planeten entfaltet und wie wird es sich in der Zukunft weiterentwickeln? Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) gibt auf diese Fragen erstaunlich moderne Antworten und weicht damit von der zu seiner Zeit in Europa vorherrschenden christlichen Auffassung zu Schöpfung und Erdgeschichte grundlegend ab. Im Mittelpunkt von Leibniz’ Beschäftigung mit Erdgeschichte und Geologie steht dabei der Versuch einer wissenschaftlichen Deutung der von Moses beschriebenen Sintflut, woraus ebenfalls eine kritische Haltung gegenüber wörtlichen Bibelauslegungen deutlich wird. Leibniz’ Beschäftigung mit der Sintflut zeigt den Wandel theologischer Denkmuster in den Erdwissenschaften um 1700 und markiert eine wichtige Etappe in der Ideengeschichte der Evolution vor Charles Darwin. Indem der Vortrag diesen Gedankenzusammenhang ausbreitet, kommen neben bekannten Texten wie der »Protogaea« auch bislang wenig beachtete Schriften und Briefe von Leibniz zur Sprache.
 

Prof. Dr. Michael Kempe, geb. 1966, studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Konstanz und am Trinity College in Dublin. Nach Promotion und Habilitation ist er seit 2011 Leiter des Leibniz-Archivs und der Leibniz-Forschungsstelle Hannover sowie seit 2013 außerplanmäßiger Professor an der Universität Konstanz.

Mo 17.9.2018 | 17.00 Uhr | SONDERFÜHRUNG durch die Ausstellung

WISSENSWELTEN Bibliothek als Enzyklopädie

7 Kostbarkeiten – Highlights der WISSENSWELTEN

Gold, Pergament, Originale – in sechzig Minuten geht es zu den sieben größten Schätzen der Ausstellung. In den Weiten der WISSENSWELTEN erhalten Sie vertiefte Einblicke in die Geschichte ihrer Highlights.

Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung unter Tel. 0511 1267-363 oder per E-Mail an kultur@gwlb.de erforderlich.

Di 4.9.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG und BUCHVORSTELLUNG

Dr. Thomas Sparr

Von Hannover in den Orient. Werner Kraft und das deutsch-jüdische Jerusalem


Werner Kraft © GWLB

Jerusalem wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Zufluchtsort für deutsche Juden, von denen sich viele Künstler, Literaten und Akademiker im Stadtteil Rechavia ansiedelten, eine von dem Architekten Richard Kauffmann entworfene Gartenstadt, die ihre Bewohner an Berlin-Dahlem erinnerte. Thomas Sparr erzählt in »Grunewald im Orient. Das deutsch-jüdische Jerusalem« von diesem Stadtteil und seinen Bewohnern. Bekannte Namen wie Else Lasker-Schüler, Gershom Scholem, Martin Buber oder Mascha Kaléko gehören zu ihnen - und auch Werner Kraft. Als Bibliotheksoberrat war Werner Kraft seit dem 1. März 1928 an der Vormals Königlichen und Provinzial-Bibliothek, der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, in Hannover tätig. Doch schon im April 1933 wurde er als Jude zunächst beurlaubt und dann entlassen. Über mehrere Stationen in europäischen Städten gelang es ihm mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Jerusalem zu emigrieren - nach Rechavia, wo er über 60 Jahre lang lebte.

Dr. Thomas Sparr war nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in Hamburg, Marburg und Paris von 1986 bis 1989 an der Hebräischen Universität in Jerusalem und am dortigen Leo Baeck Institut tätig. Von 1990 bis 1998 leitete er den Jüdischen Verlag, war von 1999 bis 2004 Cheflektor des Siedler Verlages und arbeitet heute als Editor-at-Large für den Suhrkamp Verlag.

BUCHINFORMATION

Thomas Sparr:
Grunewald im Orient. Das deutsch-jüdische Jerusalem
Berlin: Berenberg Verlag, 2018
184 Seiten, zahlr. Abbildungen
22,00 Euro
ISBN: 978-3-946334-32-3

Do 23.8.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft zum Themenschwerpunkt
Die Sintflut im Denken um 1700


© Isaac de La Peyrère: Praeadamitae […] 1655.
Bayerische Staatsbibliothek München […]
urn:nbn:de:bvb:12-bsb10354438-7

Dr. Stephan Waldhoff

Ein Ausbruch aus der kleinen Welt des heiligen Buches? Präadamiten und Sintflut

Mit den Entdeckungsfahrten der Neuzeit und dem hohen Interesse an der alten Kultur Chinas scheint die »kleine Welt des heiligen Buches« (Jacques Solé) ihre Plausibilität endgültig verloren zu haben. Als eine Antwort auf diese Herausforderung wirkt die Präadamiten-Hypothese des französischen Protestanten Isaac de La Peyrère (1596–1676): Adam sei nicht der erste Mensch gewesen, vielmehr nur der Stammvater des jüdischen Volkes. Es habe bereits vor Adam Menschen (Präadamiten) gegeben und der Horizont der Bibel beschränke sich auf den Vorderen Orient, womit die Sintflut zu einem regionalen Ereignis wird.
Kein Wunder, dass diese Hypothese bei Orthodoxen aller Konfessionen auf heftigsten Widerstand stieß. Aber auch Leibniz lehnte sie entschieden ab. Betrachtet man de La Peyrères Argumentation jedoch genauer, muss man feststellen, dass der Wandel vom biblischen zum modernen Weltbild so einfach und geradlinig nicht war, wie er in der Rückschau erscheinen mag.

Dr. Stephan Waldhoff, geb. 1964, war nach dem Studium der Geschichte und katholischen Theologie in Münster und Tübingen und Promotion in Münster Archivreferendar und anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Seit 2000 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Leibniz-Edition Potsdam. Von Stephan Waldhoff liegen Publikationen zur frühmittelalterlichen Frömmigkeits- und Liturgiegeschichte, zum Urkunden- und Kanzleiwesen des Deutschen Ordens und des Herzogtums Preußen, zu Sebastian Franck, zur preußischen Bauverwaltung im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert sowie zu Leibniz vor.

Mi 8.8.2018 | 16.00 Uhr | BIBLIOTHEKSFÜHRUNG

Niedersachsen in zwei Stunden

Als Niedersächsische Landesbibliothek sammelt die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek umfassend die Literatur aus und über Niedersachsen. Neben Verlagsveröffentlichungen wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, gehören auch Kleinschrifttum, Vereinsschriften, Kirchenblätter und Karten dazu. Erschlossen wird diese Literatur, einschließlich der Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden, in der Niedersächsischen Bibliographie, in deren Online-Version zurzeit ca. 230.000 Titel verzeichnet sind. Eine weitere interessante Informationsquelle ist die Datenbank Niedersächsische Personen. Sie enthält kurze biographische Angaben sowie Literaturquellen zu ca. 35.000 Personen, die durch Lebensort, wissenschaftliche, geistig-kulturelle, politische oder andere Tätigkeiten einen signifikanten Bezug zu Niedersachsen haben.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann stellen wir Ihnen die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek auf unserer Tour NIEDERSACHSEN IN ZWEI STUNDEN gern vor und legen dabei den Schwerpunkt auf niedersächsische Landeskunde und Landesgeschichte. Auf spezielle Wünsche gehen wir nach Möglichkeit ein.

Dauer ca. 2 Stunden mit Führung durch die Bibliothek sowie einer Präsentation.
Anmeldung per Formular oder unter 0511.1267-397/-399 oder information@gwlb.de
Terminanfrage für eine Gruppenführung

Di 7.8.2018 | 17.00 Uhr | Die Freunde und Förderer der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek präsentieren:
AUS DER SCHATZKAMMER

Matthias Wehry

Lug und Betrug im Buch

Pierre Marteau druckte mehr als 150 (!) Jahre Bücher, Diderots Enzyklopädie konnte man im 18. Jahrhundert in einem legitimen Raubdruck kaufen und ein 1239 entstandenes Literaturphantom wurde in den 1730er Jahren von den hannoverschen Bibliothekaren gleich in zwei verschiedenen Ausgaben erworben – nachdem es fünfhundert Jahre lang nicht existiert hatte. Die Buchgeschichte hat immer wieder Täuschungen, Lug und Betrug erlebt. Zu diesem Thema werden aus der »Schatzkammer Bibliothek« herausragende Beispiele vorgestellt: fleißige Drucker, die es nie gab, falsche Autoren, gefälschte Geschichten. Die Gründe für Lug und Betrug waren vielfältig: Umgehen der Zensur, wirtschaftliche Erwägungen, kriminelle Machenschaften.
In Handschriften und alten Drucken, Karten und Autographen geht es durch die Jahrhunderte über den Stauferkönig Friedrich II. bis hin zu Konrad Kujau.

Matthias Wehry, geb. 1983, studierte Philosophie, Politische Wissenschaft und Deutsche Philologie an der Universität Mannheim. Seit 2014 leitet er die Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf der Philosophiegeschichte der Aufklärung und der Bibliothekswissenschaft.

Do 26.7.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft zum Themenschwerpunkt
Die Sintflut im Denken um 1700

Dr. Frank Böhling

Von Babel nach Latium.
Die Urgeschichte Italiens nach
Athanasius Kircher

Wie sah die Urgeschichte der Menschheit aus? In welcher Beziehung standen die frühen Kulturen zueinander? Während im 17. Jahrhundert das Interesse an diesen Fragen und an Themen wie der Archäologie stetig wuchs, verlor der biblische Bericht, dem zufolge die Nachkommen Noahs die Erde besiedelten, an Glaubwürdigkeit. Für den Jesuiten und Universalgelehrten Athanasius Kircher waren Neugier und Frömmigkeit aber kein Widerspruch, was Werke wie Latium (1669), Arca Noë (1675) und Turris Babel (1679) eindrücklich belegen.
 

Dr. Frank Böhling studierte Philosophie, Klassische Philologie, Geschichte und Japanologie an der FU Berlin und promovierte bei Prof. Wilhelm Schmidt-Biggemann über Samuel Pufendorfs Naturrecht. 2010 bis 2015 arbeitete er an der kommentierten Reprintausgabe der Hauptwerke von Athanasius Kircher mit. Sein Interessenschwerpunkt ist das 17. Jahrhundert. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der arabisch-hebräischen Überlieferung griechischer Philosophie an das lateinische Mittelalter.

Di 17.07.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Prof. Birgit Dankert

1968, die Bibliotheken und die »roten« Kinderbücher

Utopie, Protest, Rebellion, terroristische Aktionen, Resignation und der lange Marsch durch die Institutionen – lassen sich diese Komponenten und Phasen der 68er-Bewegung auch für wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken nachweisen? Welches Gedankengut verbindet die 50 Jahre zurückliegende Protestbewegung mit der Bibliotheksentwicklung jener Jahre? Haben die Sit-ins, Go-ins, die Demonstrationen, Flugblätter und Politdebatten auch die Bibliotheken verändert?
Galt als veränderter Sponti-Spruch »Macht die Bibliotheken kaputt, die euch kaputt machen?« Und was war mit der sozialistischen, antiautoritären, der »roten« Kinder- und Jugendliteratur, die damals Eingang in die Bibliotheken fand. Bis heute ist nicht entschieden, was an politischer Theorie, gesellschaftlicher Reformkraft und an Irrtümern jener Jahre von Bedeutung blieb.
Mit Erinnerung und Analyse entwirft Birgit Dankert in ihrem Vortrag ein Bild der Geschehnisse und Bücher. Dabei dürfen Antworten auf die Frage »Was ist daraus geworden?« nicht fehlen.


© Remmer

Prof. em. Birgit Dankert,geb. 1944, studierte in Münster, Tübingen und Hamburg Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie sowie im Zweitstudium Bibliothekswissenschaft. Von 1981 bis 2007 lehrte sie als Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg. Als ausgewiesene Expertin für Kinder- und Jugendliteratur schreibt sie regelmäßig für DIE ZEIT sowie diverse Fachzeitschriften und Magazine. In der »Sammlung Birgit Dankert«, die der GWLB im Jahr 2004 als Schenkung übergeben wurde, finden sich bekannte »rote« Kinderbücher aus den Jahren 1965 bis 1975.

Dieser Vortrag musste leider entfallen!

Do 28.6.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft zum Themenschwerpunkt
Die Sintflut im Denken um 1700

Prof. Dr. Friedrich-W. Wellmer


© Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe, Hannover

Was sagt die Geologie heute zur Sintflut?

Die Einsicht, dass marine Fossilien an Land oder sogar in Gebirgen keine Launen der Natur seien, sondern Überreste von Meerestieren, sowie erste Vorstellungen über Gebirgsbildungen vom 17. bis 19. Jahrhundert machten die Annahme einer Sintflut entbehrlich. Die Kenntnis von Eiszeiten mit großregionalen Vereisungen widerlegte im 19. Jahrhundert die modernere Sintfluttheorie, die Diluvialtheorie, die zur Erklärung erratischer Blöcke (Findlinge) z. B. in Schottland gedient hatte. Neuere Ergebnisse über die Flutung des trocken gefallenen Mittelmeers über den Durchbruch der Straße von Gibraltar vor 5,3 Mio. Jahren legten die Basis für weitere Forschungen.
Theorien, wie die Überflutung des Schwarzen Meeres vor 7600 Jahren als Ursache für die Sintflut, werden im Vortrag vorgestellt und hinterfragt.

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Friedrich-W. Wellmer studierte Geologie und Bergbau an der TU Berlin und Clausthal und war nach seiner Promotion mehrere Jahre in der Industrie im In- und Ausland tätig. Er ist Präsident a. D. der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung und der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien. Seit seiner Pensionierung beschäftigt er sich mit Leibniz und hat 2014 einen Nachdruck des Leibniz‘schen Geologiebuches Protogaea herausgegeben.

Mo 18.06.2018 | 15.00 bis 17.00 Uhr |

BÜCHERSPRECHSTUNDE


In unserer Büchersprechstunde informieren Sie Expertinnen und Experten über die Bedeutung des von Ihnen mitgebrachten Buches, beraten zum Erhaltungszustand und helfen, weitere Informationen zu finden. Zum Wert von Büchern können grundsätzlich nur unverbindliche Angaben gemacht werden.

Unsere Büchersprechstunde richtet sich an Privatpersonen. Pro Person werden maximal zwei Objekte besprochen. Aufgrund der großen Nachfrage ist eine Anmeldung erforderlich.

Anmeldung per Formular
oder unter 0511.1267-363 oder kultur@gwlb.de

Do 7.6.2018 | 17.00 Uhr | ERÖFFNUNG DER AUSSTELLUNG

Wissenswelten
Bibliothek als Enzyklopädie

Mit einem Vortrag von

Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider

Wie Enzyklopädien europäisch werden.
Aufklärung über Wissen

Enzyklopädien transportieren Wissen. Sie tun das über Grenzen hinweg, Grenzen der Kultur und des Wissens selbst. Das große »Historische Wörterbuch« des Louis Moréri, – zwischen 1674 und 1759 in ca. 20 Auflagen erschienen – ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie aus einer katholischen Enzyklopädie ein europäisches Werk werden kann. Welche Schwierigkeiten bestanden für die Redakteure solcher Enzyklopädien? Der Vortrag gibt einen Einblick in die Werkstatt der Enzyklopädisten im Aufklärungszeitalter.

Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider ist Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig und lehrt am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Zu seinen Forschungsgebieten gehört die Enzyklopädistik in Europa. Veröffentlichungen zum Thema sind u. a.: Seine Welt wissen. Enzyklopädien in der Frühen Neuzeit, herausgegeben von Ulrich Johannes Schneider, Darmstadt 2006; Jöchers 60.000 – Ein Mann. Eine Mission. Ein Lexikon, Leipzig 2008; Die Erfindung des allgemeinen Wissens. Enzyklopädisches Schreiben im Zeitalter der Aufklärung, Berlin 2013.

Do 31.5.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Regina Stuber

Johann Christoph von Urbich: Ein Leibniz-Korrespondent in diplomatischen Missionen zwischen Fürsten, Königen, Kaiser und Zar

Johann Christoph Freiherr von Urbich (1653–1715) war als Diplomat meist am kaiserlichen Hof in Wien tätig: als Gesandter des dänischen Königs, des russischen Zaren oder im Auftrag von Herzog Anton Ulrich von Wolfenbüttel – um nur seine wichtigsten Dienstverhältnisse zu nennen. Seine umfangreiche Korrespondenz, in der Nachrichten aus London, Moskau, Konstantinopel und Venedig übermittelt wurden, erlaubt neue Einblicke in die Praxis der Diplomatie um 1700. Als Diener mehrerer Herren im wörtlichen Sinne gibt uns der politische Nachlass des Diplomaten Urbich einen Einblick in Netzwerkstrukturen, informale Verflechtungen von Fürstenhäusern und dem eigenen Rollenverständnis eines Botschafters in einer Zeit, die vom Spanischen Erbfolgekrieg, vom Nordischen Krieg und dem Aufkommen des Zarenreiches als europäischer Machtfaktor geprägt war.

Dr. Regina Stuber studierte Slavistik, Germanistik und Wissenschaftsgeschichte in Regensburg, Bordeaux und Nancy. Seit 2000 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Archiv in Hannover.

Do 19.04.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Ines Peper

»Sie hat die Gemeinde, nicht den Gott gewechselt«. Die Konversion der Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel als interkonfessionelles Experiment

Die Inschrift »Sie hat die Gemeinde, nicht den Gott gewechselt« (»coetum non numina mutat«) findet sich auf einer Gedenkmünze, die anlässlich des Übertritts Elisabeth Christines von Braunschweig-Wolfenbüttel zur katholischen Kirche im Jahr 1707 geprägt wurde. Diese Konversion war eine Vorbedingung für die Eheschließung der Prinzessin mit dem späteren Kaiser Karl VI., der damals noch als König Karl III. im Kampf um die spanische Krone stand. Der von evangelischen und katholischen Geistlichen gemeinsam konzipierte Konversionsunterricht war wesentlich geprägt vom Leibniz’schen Plan zur Wiedervereinigung der beiden Kirchen und bemühte sich um den Nachweis, dass diese in allen fundamentalen theologischen Lehren übereinstimmten. Der Vortrag ordnet diese Überzeugungen, die in diesem konkreten Fall auch für die öffentliche Rechtfertigung der Konversion herangezogen wurden, in zeitgenössische Auseinandersetzungen um das Verhältnis der Konfessionen und in die politischen und dynastischen Zusammenhänge dieser Konversion und Hochzeit ein, und berücksichtigt dabei insbesondere auch die Korrespondenz von Leibniz.

Dr. Ines Peper studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Graz und Wien. Seit 2008 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Edition der gelehrten Korrespondenz der Brüder Bernhard und Hieronymus Pez an der Universität Wien beteiligt. Der Schwerpunkt ihrer Forschungsinteressen liegt im Bereich der interkonfessionellen Beziehungen sowie der Gemeinschaftsforschung.

Di 10.04.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Dr. Alessandro Aprile

Die Privatbibliothek von Gerhard Wolter Molanus. Neue Einblicke in eine bedeutende Sammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Die Stadt Hannover ist in die Geschichtsforschung des 17. und 18. Jahrhunderts als »Stadt der Bibliotheken« eingegangen. Neben der Aristokratie legten auch Staatsbeamte wohlbestückte Privatbibliotheken an, die traditionell auch kleine Kabinette mit Münzen, Medaillen, Naturalien und sonstige Merkwürdigkeiten beinhalteten. Das führte dazu, dass die Stadt an der Leine auch ein attraktives Reiseziel für gelehrte Besucher war, die ganz Europa bereisten, um wertvolle Bestände in Augenschein zu nehmen.
Eine der am meisten besuchten Privatbibliotheken war die von Gerhard Wolter Molanus (1633–1722), dem Abt des Klosters Loccum. Sie umfasste mehr als 9.000 Bände, darunter auch mittelalterliche Handschriften, und deckte alle Wissensgebiete der Zeit, etwa Theologie, Philosophie, Geschichte, Literatur und Jurisprudenz ab. 1728 erwarb die Königliche Bibliothek in Hannover diese Privatbibliothek. In der Geschichte der heutigen GWLB hat diese Anschaffung von Anfang an eine primäre Rolle gespielt. Denn sie hat den historischen Bibliotheksbestand sowohl quantitativ als auch qualitativ beträchtlich erweitert.
Der Vortrag stellt die Person Gerhard Wolter Molanus und sein breitgefächertes Sammelinteresse vor und erläutert anhand konkreter Beispiele, welche Kostbarkeiten mit dem Erwerb seiner Privatbibliothek in den Bestand der GWLB gelangt sind.

Dr. Alessandro Aprile studierte Philosophie an der Sapienza-Universität in Rom. Nach der Promotion in Kirchengeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, absolvierte er das Referendariat für den höheren Bibliotheksdienst in Hannover und München. Seit Oktober 2017 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Handschriften und Alte Drucke und Fachreferent für Theologie und Religionswissenschaft an der GWLB.

30. März 2017 – 29. März 2018

Drei Länder, zwei Könige und ein Missverständnis – der Goldene Brief

Der Goldene Brief des birmanischen Königs Alaungphaya an den britischen König Georg II. ist eine der Kostbarkeiten in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Geschrieben auf reinem Gold, besetzt mit kostbaren Rubinen und verstaut in einem Elefantenstoßzahn, ging er im Mai 1756 auf seine über 20.000 km lange, fast zwei Jahre dauernde Reise von Birma nach London – und von da unbeantwortet und nahezu unbeachtet weiter in die Königliche Bibliothek nach Hannover.
Die Ausstellung zeigt die spannende Geschichte dieses Briefes – eine Geschichte von drei Ländern, zwei Königen und (mindestens) einem Missverständnis. Dargestellt wird die politische Situation in Birma, dem heutigen Myanmar, sowie die Personalunion, denn der Adressat des Briefes war zugleich Kurfürst von Hannover. Und neben den zwei beteiligten Königen war auch die East India Company eine wichtige Akteurin. Anhand der Überlieferungsgeschichte des Objektes in der Königlichen Bibliothek wird das Missverständnis deutlich, denn der Brief wurde lange Zeit falsch verstanden, galt zeitweise sogar als verschollen.
Als ein einmaliges Zeugnis asiatisch-europäischer Beziehungen wurde der Goldene Brief im Jahr 2015 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen. Diese Ausstellung wurde anlässlich der Übergabe der UNESCO-Urkunde an die GWLB im März 2017 konzipiert.

16. September 2017 – 29. März 2018

Die Sammlung Hartmann – Dialoge und Kassetten

Kaum eine Kunstsammlung widmet sich so intensiv dem Zusammenhang zwischen Literatur und bildender Kunst wie die des Ehepaars Brigitte und Gerhard Hartmann aus Lindau am Bodensee. Neben Arbeiten auf Papier bilden die von den besten Buchbindern des Landes gestalteten Kassetten einen Schwerpunkt der Sammlung. Die Kassetten geben den unterschiedlichsten Materialien und Dokumenten, die bei der Produktion von Literatur und Kunst entstehen, eine Herberge. Öffnet man die Kassetten, erwarten den Betrachter einzigartige Erlebnisse: Er entdeckt Manuskripte, Druckstöcke, Keramiken, Briefe, Granitblöcke, Tanzschuhe, Bücher, Skizzen, Radierungen und vieles andere mehr. Jede Kassette ist so zugleich Schmuckstück, Schatzkästchen und sicheres Archiv für Dokumente von so unterschiedlichen Schriftstellern und bildenden Künstlern wie Norbert Beilharz, Brüder Grimm, Anne Büssow, Hans Georg Bulla, Georg Oswald Cott, Eugen Gomringer, Hermann Heintschel, Madeleine Heublein, Peter Marggraf, Klaus Olbert, Peter Piontek, Gisela Plümicke, Anne und Günther Rossipaul oder Kathrin Schmidt.
Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek zeigt in Kooperation mit der Vorarlberger Landesbibliothek eine Auswahl aus der Sammlung, ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf niedersächsischen Schriftstellern und Künstlern.

Mi 21.03.2018 | 16.00 Uhr | BIBLIOTHEKSFÜHRUNG

Niedersachsen in zwei Stunden

Als Niedersächsische Landesbibliothek sammelt die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek umfassend die Literatur aus und über Niedersachsen. Neben Verlagsveröffentlichungen wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen, gehören auch Kleinschrifttum, Vereinsschriften, Kirchenblätter und Karten dazu. Erschlossen wird diese Literatur, einschließlich der Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden, in der Niedersächsischen Bibliographie, in deren Online-Version zurzeit ca. 230.000 Titel verzeichnet sind. Eine weitere interessante Informationsquelle ist die Datenbank Niedersächsische Personen. Sie enthält kurze biographische Angaben sowie Literaturquellen zu ca. 35.000 Personen, die durch Lebensort, wissenschaftliche, geistig-kulturelle, politische oder andere Tätigkeiten einen signifikanten Bezug zu Niedersachsen haben.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann stellen wir Ihnen die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek auf unserer Tour »Niedersachsen in zwei Stunden« gern vor und legen dabei den Schwerpunkt auf niedersächsische Landeskunde und Landesgeschichte. Auf spezielle Wünsche gehen wir nach Möglichkeit ein.

Dauer ca. 2 Stunden mit Führung durch die Bibliothek sowie einer Präsentation.
Anmeldung per Formular oder unter 0511.1267-397/-399 oder information@gwlb.de
Terminanfrage für eine Gruppenführung unter www.gwlb.de/service/Fuehrung/

Di 13.03.2018 | 17.00 Uhr | WERKSTATTBERICHT und LESUNG

Günter Jung

»Verehrungswürdiger, braver Vertheidiger der Menschenrechte!«
Briefwechsel Adolph Freiherr Knigge – Johann Albert Heinrich Reimarus und Sophie Reimarus 1791–1796

Adolph Freiherr Knigge (1752–1796) war einer der wenigen politischen Schriftsteller der Spätaufklärung in Deutschland. Als Anhänger der Französischen Revolution vertrat er in seinen Romanen und Schriften freimütig seine republikanische Gesinnung. Knigge bekleidete seit 1790 in Bremen das Amt eines Oberhauptmanns, der für die Verwaltung der hannoverschen Besitzungen in Bremen zuständig war. Dazu gehörten der Dom, die Domschule und das Waisenhaus. Von Bremen aus reiste Knigge mehrere Male nach Hamburg und traf dort das Ehepaar Reimarus.
Johann Albert Heinrich Reimarus (1729–1814) war der Sohn von Hermann Samuel Reimarus (1694–1768), einem Freund Lessings und Verfasser der sogenannten Wolfenbüttelschen Fragmente. J.A.H. Reimarus studierte ab 1752 Medizin in Göttingen und Leiden, ging für ein Jahr nach London, promovierte 1757 in Leiden und eröffnete nach seiner Rückkehr in Hamburg eine ärztliche Praxis. In zweiter Ehe heiratete Reimarus 1770 Sophie Hennings (1742–1817), die Schwester des dänischen Beamten und Publizisten August Hennings. Als Gastgeberin führte Sophie Reimarus ein offenes Haus, das Mittelpunkt aufgeklärter Kreise in Hamburg war.
Der Briefwechsel Knigges mit Johann Albert Heinrich und Sophie Reimarus umfasst 52 Briefe aus den Jahren 1791 bis 1796. Die Herausgabe dieses Briefwechsels hatte im Levester Kreis für Knigge-Forschung Paul Raabe übernommen. Die Vorarbeiten dazu wurden jedoch durch seinen Tod 2013 unterbrochen. Seit 2016 setzen Günter Jung und Michael Rüppel die Edition dieser Korrespondenz fort, die bis 2018 zum Abschluss gebracht werden soll. Sie wird – wie die anderen vier Knigge-Briefeditionen – im Wallstein Verlag erscheinen. Günter Jung wird über den Projektverlauf berichten und aus den Briefen lesen.

Günter Jung, geb. 1946, hat Germanistik und Politologie studiert und war von 1975 bis 2012 Lehrer. Er beschäftigt sich seit über vierzig Jahren mit Knigges Werk und Leben und ist Mitherausgeber der vierbändigen Knigge-Werkausgabe (2010) und des Briefwechsels mit Zeitgenossen 1765–1796 (2015).

Do 01.03.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Jan van Maanen

Leibniz und die Niederlande

Leibniz hatte gute Kontakte zu Mathematikern in den Niederlanden. Aus der Zeit seines Aufenthalts in Paris kannte er Christiaan Huygens persönlich und von 1673 bis 1694 gab es einen sehr inhaltsreichen Briefwechsel zwischen den zwei Großmeistern. Auch mit dem Schweizer Johann Bernoulli, der von 1695 bis 1705 an der Groninger Universität lehrte, wechselte Leibniz laufend wichtige Briefe. Neben diesen beiden treffen wir auch weniger bekannte Mathematiker, wie Joachim Nieustadt und Johan Jacob Ferguson. Mit Nieustadt versuchte Leibniz in Briefkontakt zu kommen, mit Ferguson war er persönlich bekannt und wechselte von 1680 bis 1684 mehrere Briefe.
Zahlreiche Fragen drängen sich auf: Haben die Korrespondenzen gemeinsame Themen? Und die Korrespondenten, wie ähnlich oder verschieden sind sie? Was haben die Briefe für Leibniz bedeutet? Geben sie vielleicht auch Auskünfte über die Niederlande?

Prof. Dr. Jan van Maanen, geb. 1953, studierte Mathematik an der Universität Utrecht und promovierte dort über die Mathematik in den Niederlanden im 17. Jahrhundert, insbesondere über die Rezeption des Werkes »La Géométrie« von Descartes. Er war Gymnasiallehrer und ab 1991 Dozent an den Universitäten von Groningen und Utrecht. In Utrecht war er von 2006 bis 2012 Professor der Mathematikdidaktik und Leiter des Freudenthal Instituts. Seit seiner Emeritierung widmet er sich wieder verstärkt der Mathematikgeschichte.

Mi 07.02.2018 | 17.00 Uhr | BUCHVORSTELLUNG

Prof. Dr. Alexander Košenina, Manuel Zink und Jehona Kicaj

August Klingemann: Briefwechsel

August Klingemann (1777–1831) ist vor allem als Verfasser der anonym erschienenen »Nachtwachen von Bonaventura« (1804) im Gedächtnis geblieben. Seine Gesamtkorrespondenz (1798–1830) erschließt jetzt erstmals seine weniger bekannte Rolle als Romancier und Dramatiker, insbesondere aber als Direktor des Braunschweiger Nationaltheaters (ab 1818). In knapp dreihundert Briefen erscheint er als rastloser Bühnenleiter, der im gesamten deutschsprachigen Raum Dramen- und Opernmanuskripte einwirbt und verkauft, Schauspielerinnen und Schauspieler engagiert oder vermittelt und mit den wichtigsten Theaterleuten in Berlin, Dresden, Hamburg, Hannover, Magdeburg, Stuttgart oder Weimar in Kontakt steht. Zugleich ist er bemüht, seine eigenen Dramen und Singspiele – unter anderem über Ahasver, Columbus, Cromwell, Don Quixote, Faust, Heinrich den Löwen, Moses, Luther – auf anderen Bühnen zu platzieren und bei Cotta in Tübingen in einer dreibändigen Ausgabe zu publizieren. Klingemann korrespondiert mit Goethe und Schiller, mit Brentano, Cotta, Grillparzer, Iffland, Paganini und Tieck wie mit einer großen Zahl weniger bekannter Regisseure, Komponisten, Darsteller, Buchhändler und Schriftsteller.
Die kommentierte Edition auf Grundlage aller verfügbaren Handschriften und verstreuten Drucke bildet einen zentralen Baustein zur norddeutschen Theaterlandschaft um 1800, vor allem aber für die noch ungeschriebene Geschichte des Braunschweiger Theaters. Klingemanns Uraufführung von Goethes »Faust« 1829 ist dabei ein besonderer Höhepunkt. Zugleich bietet die Korrespondenz viel neues Material, um Klingemanns schauspielkünstlerische Position zwischen den Nachfolgern Lessings in Berlin oder Hamburg und dem distanzierenden Weimarer Programm genauer zu bestimmen.

Prof. Dr. Alexander Košenina, geb. 1963, lehrt deutsche Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts an der Leibniz Universität Hannover.
Manuel Zink, geb. 1982, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover und promoviert über August Klingemann.
Jehona Kicaj, geb. 1991, studiert an der Leibniz Universität Hannover im Masterstudiengang Deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie.

BUCHINFORMATION

August Klingemann: Briefwechsel.
Hg. und kommentiert von Alexander Košenina und Manuel Zink.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2018.
Ca. 470 S., ca. 10 Abb., geb., Schutzumschlag,
ca. 24,90 Euro
ISBN: 978-3-8353-3235-5

Do 25.01.2018 | 17.00 Uhr | VORTRAG in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Charlotte Wahl

Aderlässe: Zu den Leibnitiana in Göttingen und Gotha

Nach Leibniz' Tod wurde der Zugang zu seinem Nachlass lange äußerst restriktiv gehandhabt. So konnten sich die frühen Editionen von Leibniz' Schriften und Briefen – zum Beispiel die sechsbändigen, von Louis Dutens 1768 herausgegebenen Opera omnia – kaum auf Material aus Hannover stützen. Trotzdem gelangten im 18. Jahrhundert größere Handschriftenkonvolute von Hannover nach Göttingen und Gotha, wo sie sich noch heute befinden. Im Vortrag wird der Weg dieser Konvolute nachgezeichnet, der auch Aufschluss gibt über eine gewandelte Ausleihpolitik an der hannoverschen Hofbibliothek. Außerdem wird auf weitere Leibnitiana – Bücher und Objekte - in Göttinger Beständen eingegangen.

Dr. Charlotte Wahl promovierte in Reiner Mathematik an der Universität Göttingen. Nach Postdoc-Aufenthalten am Institut Henri Poincaré in Paris und am Department of Mathematics von Virginia Tech (USA) arbeitet sie seit 2006 bei der an der GWLB angesiedelten Leibniz-Forschungsstelle der Göttinger Akademie der Wissenschaften an der Edition des mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Briefwechsels von Leibniz (Reihe III) mit.

Mi 17.1.2018 | 17.00 Uhr | LESUNG im Rahmen der Ausstellung »Die Sammlung Hartmann – Dialoge und Kassetten«, gemeinsam mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover

Hans Georg Bulla, Georg Oswald Cott und Peter Piontek

Mitten in der Wunderkammer

Sie kommen daher wie Stücke aus einer prall gefüllten Wunderkammer – die Mappen, Kassetten, Text- und Bildblätter, die in der Ausstellung »Die Sammlung Hartmann – Dialoge und Kassetten« zu sehen sind. Bei aller äußeren Verschiedenheit – eines ist ihnen gemeinsam: Sie präsentieren jeweils einen Dialog von Text und Bild, von Literatur und Kunst. Schatzkästchen und Archive zugleich, bewahren die anspruchsvoll gestalteten Kassetten und Mappen Manuskripte, Entwürfe, Druckproben, Grafiken, Zeichnungen und vieles mehr.
Prominent vertreten in der Sammlung Hartmann sind drei Autoren aus Niedersachsen: Hans Georg Bulla, Georg Oswald Cott und Peter Piontek. In der Lesung stellen sie eine Auswahl ihrer Texte aus der Sammlung vor.

Hans Georg Bulla, geb. 1949, Autor, Lektor, Herausgeber. Lebt in der Gemeinde Wedemark. Zuletzt erschien der Gedichtband »Wie an jedem Tag« (2016).
Georg Oswald Cott, geb. 1931, lebt als Dichter in Braunschweig. Der Band »Gedichte für ein Lächeln« versammelt »Poesie aus dem Dichterkorb aus 30 Jahren auf der Frankfurter Buchmesse« (2014).
Peter Piontek, geb. 1955, Autor, Journalist, Dramaturg und Gärtner. Lebt in Hannover. Zuletzt erschien der Gedichtband »Graue Küste, Gegenlicht« (2016).

Di 12.12.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Dr. Annette Richter

Von der Kunst, die Natur abzubilden. Naturkundliche Buchillustrationen erläutern die Welt

Naturwissenschaftliche Illustrationen sind bildliche Dar­stellungen in Veröffentlichungen über organische und anorganische Bestandteile unserer Erde. Sie dienen dem Zweck, den verbal beschriebenen Forschungsgegenstand zum besseren Verständnis zusätzlich zu visualisieren, da wir Menschen ausgesprochene „Augentiere” sind. Diese möglichst exakten Illustrationen werden in einem Span­nungsfeld zwischen künstlerisch sehr anspruchsvollen, teils Dreidimensionalität vortäuschenden Abbildungen und eher schematischen Darstellungen angelegt.
Der Vortrag erläutert die Vor- und Nachteile an zoo­logischen und paläozoologischen Beispielen und schlägt den Bogen zu ausgewählten botanischen Illustrationen, unter anderem auch aus dem Prachtband „Königliche Gartenbibliothek Herrenhausen” von 2016.

Dr. Annette Richter ist promovierte Diplom-Geologin und Fachbereichsleiterin der Naturkunde am Landesmuseum Hannover. Wie viele Wirbeltierpaläontologen beschäftigt sie sich mit der naturgetreuen Darstellung von Fossilfunden und Rekonstruktionen. Am Landesmuseum leitete sie über 10 Jahre lang einen renommierten wissenschaftlichen Zeichenkurs. Derzeit widmet sie sich der Geschichte der naturkundlichen Illustration in den Geo- und den Biowissenschaften.


VORTRAGSREIHE ZUM REFORMATIONSJUBILÄUM
gemeinsam mit dem Stadtarchiv Hannover


Di 21.11.2017 | 19.30 Uhr | ZEITZEUGENGESPRÄCH | Ort: Neues Rathaus,
Hodlersaal

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer und Rainer Künnecke

1533 – Reformation und Revolte in Hannover

1533: Seit einem Jahrzehnt hatte sich die Lehre des Martin Luther in Hannover verbreitet. Nicht nur kirchliche Reformation wurde gefordert, sondern immer öfter mehr Mitbestimmung der Bürger in allen städtischen Angelegenheiten. Ein Bürgerschwur auf dem Marktplatz bekräftigte dies. Das hatte Hannover noch nie erlebt: Die städtische Bürgerschaft stellte sich gegen den herrschenden Rat und vertrieb ihn schließlich aus der Stadt!
© Historisches Museum Hannover Erstmalig hat Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer einen echten Zeitzeugen aus einer vergangenen Epoche zu Gast, nämlich den ersten Bürgermeister nach Vertreibung des alten Patriziats, Anton von Berckhusen (dargestellt von Rainer Künnecke). Er steht Rede und Antwort zu den aufregenden Ereignissen des Jahres 1533, die zu schweren Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Calenberg führten und die Stadt viel Geld kosteten. Die Reformation aber siegte, und Hannover blieb eine wirtschaftlich erfolgreiche Stadt.

Mi 22.11.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer

Die Welt, die Reformation und Hannover. Ein historischer Überblick

Die Reformation hat seit 1517 von Deutschland aus ihre weltgeschichtliche Wirkung entfaltet und die Volkfrömmigkeit wie die Amtskirche massiv verändert. Klöster wurden geschlossen und enteignet, die Heiligenverehrung minimiert, die Liturgie auf Abend­mahl, Predigt und Gemeindegesang konzentriert, Vorstellungen von Fegefeuer und Ablass negiert und das Sündenbewusstsein ohne die Vermittlung der Amtskirche auf das eigene Gewissen verlagert. In Hannover setzten sich reformatorischen Ideen und Bewegungen vergleichsweise spät durch. Angesichts stabiler politischer und wirt­schaftlicher Verhältnisse blieb der Rat zunächst kritisch und floh, als der Druck der reformatorischen Parteigänger ab 1532 stärker wurde, nach Hildesheim. Erst 1534 söhnten sich die führenden Akteure aus, Stadt und Rat übernahmen die lutherschen, reformierten Lehren.

Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer ist emeritierter Professor für Regionalgeschichte an der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Niedersächsische Landesgeschichte sowie Theorie und Anwendung der Regionalgeschichte.

Do 30.11.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Prof. Dr. Michael Rothmann

Zwischen Himmel und Hölle:
Vorstellungen vom Fegefeuer im Mittelalter

Das Fegefeuer kennzeichnet einen Ort oder Zustand der Läuterung des Menschen nach seinem Tod und ist noch heute ein fester Glaubensbestandteil der römisch-katholischen Lehre. Der Ursprung des Konzeptes liegt weit vor dem Mittelalter. Die reinigende Kraft des Feuers wird jedoch mit den christlichen Jenseitsvor­stellungen verbunden und konkretisiert den Zeitraum zwischen Tod und Jüngstem Gericht. Ab dem 12. Jahr­hundert erhielt das Fegefeuer eine zentrale Bedeutung im Kontext der Sündenlehre und Volksfrömmigkeit. Stiftungen, Fürbitten oder auch das Ablasswesen konnten das Dasein der Toten in dieser Zwischenwelt und vor dem Jüngsten Gericht verbessern helfen. © Niedersächsisches Landesmuseum Hannover

Prof. Dr. Michael Rothmann studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte an der J. W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Nach wissenschaftlichen Stationen in Frankfurt, Köln und Gießen lehrt er heute mittelalterliche Geschichte an der Leibniz Universität Hannover. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Geistes- und Ideengeschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, der politischen Geschichte sowie der Stadt- und Landesgeschichte.

Do 7.12.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

PD DDr. Jörg Bölling

Reunion und Renaissance. Ökumene am Vorabend der Reformation

Im Jahr 2017 wird der 95 Thesen Martin Luthers von 1517 gedacht. Der Blick richtet sich meist auf die Grundlagen, Anfänge, Entwicklungen, Tendenzen und bleibenden Anliegen der Reformation. Bei aller Diversität und Differenzierung zwischen und innerhalb der verschiedenen Konfessionen wird wohl mehr denn je nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame hervorgehoben und zukunftsträchtig gefördert. Dabei spielt neben neuen Konzepten auch der vereinte Rekurs auf das geteilte, noch vorreformatorische Erbe eine große Rolle. Doch auch vor der Reformation hat es Kirchenspaltungen gegeben. Daher stellen sich einige Fragen: Wie hat man gleichsam „am Vorabend der Reformation” ökumenische Konzepte entwickelt und auf der Grundlage konkreter Unionsverhandlungen in die Praxis umzusetzen versucht? Welche Inhalte standen dabei im Vordergrund – mit Blick auf die Trennung der Kirche in Ost und West, aber auch zwischen kirchlichen Traditionen einerseits und humanistischen Innovationen andererseits? Wie gestaltete sich das Verhältnis von mittelalterlichen Kontinuitäten und antikenbegeisterten Aufbrüchen? Kurzum: Welche ökumenische Relevanz hatten Reunion und Renaissance am Vorabend der Reformation?

PD DDr. Jörg Bölling wurde nach dem Studium u. a. der Fächer Geschichte, katho­lische Theologie, Latein und Musikwissenschaft, das er 1999 mit dem Ersten Staats­examen abschloss, in Münster 2004 zum Dr. phil. und in Bochum 2010 zum Dr. theol. promoviert. Nach seiner Göttinger Habilitation für Mittlere und Neuere Geschichte sowie Historische Hilfswissenschaften im Sommersemester 2013 folgten Professurvertre­tungen für Mittelalterliche Geschichte in Wuppertal und Göttingen sowie für Kirchen­geschichte in Hildesheim und Hannover

Di 14.11.2017 | 17.00 Uhr | ABSCHLUSSKONZERT DER
14. LEIBNIZ-FESTTAGE 2017 „LEIBNIZ UND DAS JUDENTUM”
 
Eine Veranstaltung der Stadtakademie an der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nieder­sachsen und Concerto Foscari in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

Corona Aurea. Leibniz und die Kabbala Denudata

Mit einer Einführung von Prof. Dr. Peter Antes
Musik: Concerto Foscari   Leitung: Alon Sariel

Das zweibändige Kompendium Kabbala Denudata ist das Ergebnis eines Editions- und Übersetzungsprojektes von Texten der jüdischen Mystik, das wesentlich von dem in Sulzbach ansässigen Christian Knorr von Rosenroth betrieben wurde. Die Deutungen kabbalistischer Texte lernte Gottfried Wilhelm Leibniz durch die Bekanntschaft mit Knorr von Rosenroth kennen. 1687 reiste er nach Sulzbach, um mit ihm Fragen der Kabbala zu erörtern.

Das Ensemble Concerto Foscari spannt mit Werken von u. a. Matthew Locke, Thomas Preston, Adam Jarzebski, Samuel Scheidt sowie Kompositionen aus dem Bezugsrahmen der jüdischen Mystik in Safed (Galiläa) einen musikalischen Bogen zu den Herkunfts- und Wirkungsstätten der jüdischen und christ­lichen Autoren des Kompendiums.

Concerto Foscari vereint junge, international agierende MusikerInnen mit hoher Affinität zu der Musik des Barock in dem Wunsch, generationsübergreifend Menschen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und das Konzerterlebnis zu begeistern. Zur Aufführung kommen überwiegend selten zu hörende oder in Vergessenheit geratene Werke, gespielt auf Originalklang-Instrumenten.

Anmeldung unter: Tel. 0511.1267-303/304 oder direktion@gwlb.de

Mi 8.11.2017 | 13.30–18.00 Uhr | HERBSTAKADEMIE
der Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Peer to Peer: Kinder und Jugendliche als Akteurinnen und Akteure in der Leseförderung


Peers (Gleichaltrige) haben einen positiven Einfluss auf das Leseverhalten und die Lesemotivation von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen dieser Tagung sollen wissen­schaftliche Erkenntnisse und gute Praxis­beispiele, vorwiegend aus Niedersachsen, vorgestellt werden. Im Anschluss an zwei wissenschaftliche Fachvorträge erfolgt die Präsentation von Praxisbeispielen im Rahmen von Werkstattgesprächen:
 
Werkstattgespräch I. Mit Vorlesen und Schreiben Interesse am Lesen wecken
Werkstattgespräch II. Lesekultur gestalten: von Schülern für Schüler
Werkstattgespräch III. Aktive Teilhabe: Kinder und Jugendliche als Leseexpertinnen und -experten
In den Werkstattgesprächen werden sich jeweils drei Projekte für je eine halbe Stunde präsentieren.

Anmeldung unter: www.alf-hannover.de

Do 02.11.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
im Rahmen des Programms der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann (Berlin)

Leibniz, Kircher und die Geschichte des Lullismus in der Frühen Neuzeit

Leibniz hat Zeit seines Lebens daran gearbeitet, die Kombinatorik als Methode einer mathematisierten Universalwissenschaft, der "Characteristica universalis" zu fassen. Von seiner frühen "Dissertatio de arte combinatoria" (1666) bis zu den Skizzen "Apokatastasis panton" und "De L'horizon de la doctrine humaine" aus seinen letzten Jahren versuchte Leibniz, die Gesamtheit möglichen Wissens formal zu bestimmen. Er stützte sich dabei auf die kombinatorische Methode, die der katalanische Philosoph und Theologe Raimundus Lullus (1232-1316) grundgelegt hatte und die u. a. von Athanasius Kircher weiterentwickelt wurde. Der Vortrag wird Grundzüge und Hauptkonzepte dieser Tradition vorstellen. Freilich bleibt die Frage, warum Leibniz' Plan einer "Characteristica universalis" letztlich ebenso scheiterte wie die Entwürfe seiner Vorgänger.

Professor Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann lehrt seit 1989 als ordentlicher Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Nach dem Studium der Fächer Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Theologie in Bochum schloss er sein Studium 1974 mit einer Dissertation zu "Maschine und Teufel. Jean Pauls Jugendsatiren nach ihrer Modellgeschichte" ab. Dafür erhielt er im selben Jahr den Förderpreis der Ruhr-Universität Bochum für hervorragende Dissertationen. 1979-1984 war er Assistent am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin. 1981 folgte die Habilitation mit der Arbeit zu "Topica universalis. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft". 1990 erhielt er die Comenius-Medaille der Prager Akademie der Wissenschaften. 1991-1992 war er Gastprofessor an der Humboldt-Universität Berlin sowie 1993-1998 Leiter der Berliner Schelling-Forschungsstelle. Schmidt-Biggemann hat zu zahlreichen Themen der Geschichte der Philosophie und Philologie der Frühen Neuzeit veröffentlicht und ist seit Anfang der 1980er Jahre Mitglied der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft.

Do 26.10.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Sebastian Kühn

Streiten mit Leibniz. Über agonale Logiken der frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur

Leibniz führte intensiv zahlreiche Kontro­versen, oft jahrelang, meist mit offenem Ausgang. Zwei eher unbekannte dieser Auseinandersetzungen werden genauer betrachtet: der Konflikt um den Berliner Rittmeister Christian Heinrich Oelven, der nahezu die Berliner Societaet der Wissen­schaften kurz nach ihrer Gründung sprengte, und die 20-jährige Kontroverse mit Denis Papin, die nur ungenau als „vis-viva-Kontroverse” bezeichnet wird. Angesichts der hohen Konflikthaftigkeit nicht nur bei Leibniz, sondern allgemein in der frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur, stellt sich die Frage, welchen Sinn Konflikte haben konnten. Kann Streit eine Logik haben? Wie vernünftig war denn Leibniz, dass er so viele Konflikte führte; wie vernünftig waren die Auf­klärung, die frühneuzeitliche Wissenschaft? Schließlich: Wie geht eine Gesellschaft mit Konflikten um? Das alles sind Fragen, die voraussetzen, dass Streit eine Rationalität hat – nur vielleicht eine andere, als wir zunächst vermuten.

Dr. Sebastian Kühn studierte Geschichte, ev. Religion und Philosophie in Halle/S., Montpellier und Berlin. Nach Stationen an der FU Berlin und dem Centre Marc Bloch ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der historischen Anthro­pologie und Sozialgeschichte des Wissens und der politischen Kommunikation in der Frühen Neuzeit.

Mi 18.10.2017 | 17.00 Uhr | INTERAKTIVE EINFÜHRUNG

Meike Fricke und Martin Brederecke

Die Haptothek – anfassen erlaubt!

Die Haptothek ist ein Präsentationssystem, mit dem das ?tastende Begreifen< von Büchern in ihren historischen Formen ermöglicht wird. Entwickelt und umgesetzt wurde diese Präsen­tationsform von Meike Fricke und Martin Brederecke, die als Buchbinder­meister und Restauratoren in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek tätig sind. Sie erläutern anhand der Objekte das Konzept und die Benutzung der Haptothek und laden anschließend zur selbständigen Erkundung ein.

Fr 15.9.2017 | 17.00 Uhr | AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Die Sammlung Hartmann – Dialoge und Kassetten

Mit einem Gespräch zwischen dem Künstler Peter Marggraf, der
Schriftstellerin Kathrin Schmidt, dem Sammler Gerhard Hartmann
und dem Kurator Dr. Jürgen Thaler

Kaum eine Kunstsammlung widmet sich so intensiv dem Zusammenhang zwischen Literatur und bildender Kunst wie die des Ehepaars Brigitte und Gerhard Hartmann aus Lindau am Bodensee. Neben Arbeiten auf Papier bilden die von den besten Buchbindern des Landes gestalteten Kassetten einen Schwerpunkt der Sammlung. Die Kassetten geben den unterschiedlichsten Materialien und Dokumenten, die bei der Produktion von Literatur und Kunst entstehen, eine Herberge.
Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek zeigt in Koopera­tion mit der Vorarlberger Landesbibliothek eine Auswahl aus der Sammlung, die einen besonderen Schwerpunkt auf niedersächsische Schriftsteller und Künstler legt.

Do 14.9.2017 | 17.00 Uhr | BUCHVORSTELLUNG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Malte-Ludolf Babin und Dr. Rita Widmaier

G. W. Leibniz, Briefe über China (1694-1716).
Die Korrespondenz mit Barthélemy Des Bosses S.J. und anderen
Mitgliedern des Ordens

„Was die chinesische Frage angeht – was soll ich da sagen? Stellen Sie sich eine berühmte Stadt vor, die belagert wird, und einander widerstreitende Gerüchte: die einen sagen, sie wäre schon erobert, die anderen, sie sei entsetzt worden – jeder erdichtet, wonach ihm der Sinn steht.”
Nachdem Leibniz' direkte Verbindungen zur Jesuiten­mission in China endgültig abgerissen sind, steht er in der „chinesischen Frage” vor eben dem Dilemma, wie es der Kölner Jesuit Barthélemy Des Bosses im Januar 1710 charakterisiert.
Während der 2006 erschienene Briefwechsel mit den Jesuiten in China (1689–1714) Leibniz' Gedanken­austausch mit den Missionaren nachzeichnet, beleuchten die Briefe über China die Frage des chinesischen Ritenstreits und der Missionspolitik des Heiligen Stuhls, wie sie sich aus binneneuropäischer Perspektive darstellte. Ergänzt werden die Briefe durch zugehörige umfangreiche Beilagen verschie­denster Provenienz, darunter zwei Edikte von Kangxi, 1662–1722 chine­sischer Kaiser. Der Band wird eingeleitet durch einen neu kommentierten Abdruck von Leibniz' Vorrede zu den Novissima Sinica von 1697, dem frühesten Versuch einer Antwort auf die europäisch-chinesische Frage.

Dr. Malte-Ludolf Babin studierte Romanistik, Klassische Philologie und Geschichte. Seit 1993 Editor am Leibniz-Archiv.
Forschungsschwerpunkte: Leibniz als Historiker und Sprachwissenschaftler.
Dr. Rita Widmaier studierte Philosophie, Sinologie und Geschichte. Von 1988 bis 2007 arbeitete sie am Leibniz-Archiv.
Forschungsschwerpunkte: Leibniz' Metaphysik, Leibniz und China.

BUCHINFORMATION

G. W. Leibniz, Briefe über China (1694–1716). Die Korrespondenz mit Barthélemy Des Bosses S.J. und anderen Mitgliedern des Ordens. Herausgegeben und kommentiert von M.-L. Babin und R. Widmaier. Französisch/Lateinisch/Italienisch – Deutsch.
Hamburg: Meiner, März 2017. CLXXI, 660 S., 109,99 Euro
ISBN 978-3-7873-3103-1

Mi 6.9.2017 | 17.00 Uhr | INTERAKTIVE EINFÜHRUNG

Meike Fricke und Martin Brederecke

Die Haptothek – anfassen erlaubt!

Die Haptothek ist ein Präsentationssystem, mit dem das ?tastende Begreifen< von Büchern in ihren historischen Formen ermöglicht wird. Entwickelt und umgesetzt wurde diese Präsen­tationsform von Meike Fricke und Martin Brederecke, die als Buchbindermeister und Restauratoren in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek tätig sind. Sie erläutern anhand der Objekte das Konzept und die Benutzung der Haptothek und laden anschließend zur selbständigen Erkundung ein.


Gefördert durch:

Do 31.8.2017 | 17.00 Uhr | PROJEKTVORSTELLUNG

Prof. Dr. Michael Kempe (Leibniz-Archiv),
Dr. Siegmund Probst (Leibniz-Archiv),
Matthias Wehry (GWLB),
Dr. Marc von der Linden
(Fraunhofer Institut IPK/MusterFabrik Berlin)

Leibniz puzzeln. Die digitale Rekonstruktion von Leibniz-Fragmenten

Der Universalgelehrte G. W. Leibniz hat nicht nur schreibend gedacht, sondern auch schneidend geordnet. Seine Gedanken und Ideen notierte er auf Papierblättern, die er oft danach zerschnitt, um einzelne Streifen und Schnipsel thematisch zu ordnen.

Erstmalig ist es im Rahmen eines von der Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg) geförderten Pilotprojektes von Leibniz-Edition (Akademie-Ausgabe), Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek und Fraun­hofer Institut IPK/­MusterFabrik Berlin gelungen, solche Fragmente im wohl größten Gelehrtennachlass der Welt­geschichte mit Hilfe eines digitalen Assistenzsystems virtuell zu rekon­struieren. Am Beispiel mathematischer und naturwissenschaftlicher Hand­schriften werden solche Rekonstruk­tionen, mit denen Forschungsneuland betreten wird, präsentiert.

Di 8.8.2017 | 17.00 Uhr |VORTRAG

Prof. Dr. Helmut Zedelmaier

De arte excerpendi: Überlegungen zur Tätigkeit und Geschichte des Exzerpierens

Kein Schreiben ohne Lesen. Wer liest, macht sich nicht selten Notizen, holt aus dem Gelesenen etwas heraus, um es weiterzuverarbeiten. ?Exzerpieren< bezeichnet diese Tätigkeit, ?Exzerpt< deren Produkt. Jedoch nicht nur wer liest, exzerpiert, auch wer empirische Daten sammelt, wählt aus und zeichnet auf. Welche Geschichte haben die Techniken des Exzerpierens und die damit verbundenen Praktiken des Ordnens, Speicherns, Kopierens? Haben sie überhaupt eine Geschichte? Darum geht es in dem Vortrag, um allgemeine Überlegungen zum Exzerpieren und um spezielle Hinsichten auf die Geschichte dieser Tätigkeit.

Prof. Dr. Helmut Zedelmaier lehrt Neuere Geschichte an der Ludwigs-Maximilians-Universität München und arbeitet am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) in Halle (Saale) im Rahmen der Humboldt-Professur ?Neuzeitliche Schriftkultur und europäischer Wissenstransfer< (Projekt ?Exzerpieren, Zitieren, Plagiieren<). Sein Spezialgebiet ist die Wissens- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts. Zuletzt erschien ?Werkstätten des Wissens zwischen Renaissance und Aufklärung< (2015).

26. April – 29. Juli 2017

Schriftenlese. Arbeiten von Hans Burkardt und Andreas Spengler

Schrift ist weit mehr als Kulturtechnik, Kommunikationsmedium oder Aushängeschild. Handschrift wirkt in einem umfassenden Sinn als Botschafterin, wenn sie der Fantasie Raum gibt und sich als Trägerin menschlicher Beziehungen zeigt. Die Kalligraphie von Professor Hans Burkardt, dessen graphische Arbeiten die GWLB seit 2012 beherbergt, hat über Jahrzehnte ästhetische Maßstäbe gesetzt. Er ist einer der letzten großen Repräsentanten dieser Gattung. Professor Andreas Spengler, der mit seiner Malerei vor rund einem halben Jahrhundert begann und aus dem Informel kommt, arbeitet mit benutzten Streifen von Löschpapier. Er gibt den oft weggeworfenen Fundstücken ein "second life" in neuer ästhetischer Umgebung. Beide Künstler setzen dort an, wo eigenhändiges Schreiben lebendig erlebt wird, wenn das Medium Tinte und Tusche das Papier berührt, trocknet und abgelöscht wird. Der eine schreibt, der andere sichert und transformiert die Spuren.

Do 29.6.2017 | 17.00 Uhr | BUCHVORSTELLUNG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Annette von Boetticher und Dr. Georg Ruppelt

Leibniz unterwegs in Niedersachsen.
Auf den Spuren des Universalgenies.

Der Name des 1646 in Leipzig geborenen Gottfried Wilhelm Leibniz, einem der bedeutendsten Geistesgrößen der Menschheitsgeschichte, wird weniger mit seiner Vaterstadt als vielmehr mit Hannover, der Hauptstadt des heutigen Niedersachsen, in Verbindung gebracht. Hier verbrachte er die letzten 40 Jahre seines 70-jährigen Lebens, Abwesenheiten durch Reisen ausgenommen.Denn Leibniz bereiste monate- oder gar jahrelang Europa, so Frankreich, England, die Niederlande, Böhmen, Österreich und Italien. Dass er aber auch im Niedersächsischen viel unterwegs war, ist weniger bekannt. Dies hing mit seinen Harzer Bergbauunternehmungen zusammen, mit seinem Zweitberuf als Bibliothekar in Wolfenbüttel seit 1691 und schließlich mit seinen Bemühungen um die Geschichtsschreibung des Welfenhauses, die von den Herzögen in Hannover, Braunschweig und Celle ideell wie finanziell gefördert wurden. Der Buchtitel steht für einen Universalgelehrten, der im Wortsinne oft "auf Achse" war, um Neues zu erfahren und zu erkunden. Dieses Buch will mit seinen reichen historischen wie aktuellen Abbildungen Leibniz gleichsam einbürgern, und zwar in ganz Niedersachsen, wo er in vielen Orten tätig war. Das Buch wird durch die beiden Autoren Dr. Annette von Boetticher und Dr. Georg Ruppelt präsentiert.

Dr. Annette von Boetticher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Niedersächsischen Institut für Historische Regionalforschung e.V. und Lehrbeauftragte am Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Dr. Georg Ruppelt war bis zum Oktober 2015 Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.

BUCHINFORMATION

Boetticher, Annette v./Ruppelt, Georg:
Gottfried Wilhelm Leibniz unterwegs in Niedersachsen. Eine Spurensuche in Texten und Bildern.

Hildesheim: Olms, 2017.
Ca. 180 Seiten, zahlr. Abbildungen, Festeinband.
ISBN 978-3-487-08598-2

Das Buch wurde gefördert mit Mitteln der Leibniz Stiftungsprofessur der Leibniz Universität und der Landeshauptstadt Hannover.

 


Do 15.6.2017 | 17.00 Uhr | PROJEKTVORSTELLUNG
gemeinsam mit dem Stadtarchiv Hannover und der VGH-Stiftung

Adressbuch der Stadt Hannover virtuell

Von 1798 bis 2004 erschien nahezu jährlich das Adressbuch der Stadt Hannover. Über mehr als zwei Jahrhunderte verzeichnete es Personen und Straßen der Stadt, gab Hilfe bei der Suche nach Handwerkern, Firmen und Behörden. Die enthaltenen Karten, Theaterpläne und Berichte bieten heute spannende Einblicke in die Geschichte und das kulturelle Leben Hannovers. Diese wichtige historische Quelle haben das Stadtarchiv Hannover und die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in den vergangenen Jahren bis in das 20. Jahrhundert hinein digitalisiert. Das Projekt wird durch die Projektpartner und den Projektförderer VGH-Stiftung vorgestellt. Der Sprechchor Hannover wird die Präsentation durch eine stimmliche Performance zum Thema begleiten. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, selbständig in den digitalen Adressbüchern zu recherchieren und auch Originale in Augenschein zu nehmen.

Do 8.6.2017 | 17.00 Uhr | ERSTMALIGE PRÄSENTATION

Meike Fricke und Martin Brederecke

Die Haptothek - anfassen erlaubt!

?Haptothek< - ein Wort zusammengesetzt aus den griechischen Begriffen ?haptos< = ?fühlbar<, und ?theke< = ?Behälter, Ort oder Raum zur Aufbewahrung und Sammlung<. Mit der Haptothek stellt die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek ein selbst entwickeltes Präsentationssystem vor, mit dem das ?tastende Begreifen< von Büchern in ihren verschiedenen historischen Formen ermöglicht wird. Die Haptothek besteht aus zwei Säulen, welche Modelle historischer Buchformen, neuzeitliche Gebrauchsbände und auch Materialien zur Buchherstellung zeigen. Entwickelt und umgesetzt wurde diese Präsentationsform von Meike Fricke und Martin Brederecke. Sie erläutern anhand der Objekte das Konzept und die Benutzung der Haptothek und laden anschließend zur selbständigen Erkundung ein.

Meike Fricke und Martin Brederecke sind als Buchbindermeister und Restauratoren in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek tätig.

Do 18.5.2017 | 17.00 Uhr | BUCHVORSTELLUNG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Wenchao Li

Gottfried Wilhelm Leibniz - Kurfürstin Sophie von Hannover. Briefwechsel

Der dreieinhalb Jahrzehnte umspannende Briefwechsel zwischen dem hannoverschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und Sophie von Hannover gewährt Einblicke in das ungewöhnliche Vertrauensverhältnis zwischen Hofrat und Herrscherin: Sophie schätzte Leibniz' umfassende Sachkenntnis in den unterschiedlichen Wissensgebieten und in der Politik ebenso wie seine höfische Gewandtheit. Sie begegnete dem großen Gelehrten mit anhaltender Wertschätzung und vermittelte ihm wiederholt Rückhalt bei ihrem Gatten und ihrem Sohn Georg Ludwig. Für Leibniz war die Fürstin eine wertvolle Gesprächspartnerin, mit der er wesentliche philosophische Fragen diskutierte. Auch in der Frage um die englische Thronfolge war Leibniz einer der engsten Berater Sophies.
 
Bei den überlieferten 382 Schriftstücken handelt es sich um eine zumindest in der europäischen Kultur und Geistesgeschichte einmalige Fundgrube. Das im höfischen Französisch geführte schriftliche Gespräch wird erstmals in deutscher Übertragung zugänglich gemacht. Der gesamte Briefwechsel Leibniz', der mehr als 20.000 Briefe umfasst, wurde 2007 in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Das Buch wird durch den Herausgeber Prof. Dr. Wenchao Li präsentiert.

Prof. Dr. Wenchao Li ist Leiter der Potsdamer Leibniz-Editionsstelle der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und hat zugleich die Leibniz-Stiftungsprofessur an der Leibniz Universität Hannover inne. Er ist u.a. Schriftführer der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft, Mitglied im Leitungskomitee der Fédération Internationale des Societés de Philosophie (FISP) und Vorsitzender der FISP-Kommission für die Geschichte der Philosophie.

BUCHINFORMATION

Gottfried Wilhelm Leibniz - Kurfürstin Sophie von Hannover. Briefwechsel.

Herausgegeben von Wenchao Li;
aus dem Französischen von Gerda Utermöhlen und Sabine Sellschopp.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2017.
872 Seiten, Illustrationen, Festeinband.
ISBN 978-3-8353-1884-7

Do 27.4.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Dr. Eike Christian Hirsch

Leibniz, der wirksamste Reformer des evangelischen Glaubens seit Luther

Leibniz war kein Bekenner und kein Anführer, aber er hat im Stillen den Glauben gründlich reformiert und den modernen Protestantismus begründet. In seiner ?"Theodizee"< treten die Erlösung am Kreuz und die Auferstehung ganz zurück, stattdessen wird der Schöpfer selbst zum milden Begleiter eines jeden gutwilligen Menschen. Am Ende der Weltgeschichte steht nicht mehr das Jüngste Gericht, sondern das Reich der Geister, zu dem Gott seine ganze Menschheit hinaufführt. Das ist die aufgeklärte Form der christlichen Botschaft - und bis heute das Credo liberaler Christen.

Dr. Eike Christian Hirsch hat Theologie und Philosophie studiert und war lange Zeit Redakteur des NDR-Hörfunks. Er hat Bücher über den christlichen Glauben, die deutsche Gegenwartssprache und u. a. auch die Biografie ?"Der berühmte Herr Leibniz"< veröffentlicht.

Di 25.4.2017 | 17.00 Uhr | AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Schriftenlese. Arbeiten von Hans Burkardt und Andreas Spengler

Schrift und Löschpapier - in der Ausstellung Schriftenlese trifft das kalligraphische Werk von Hans Burkardt auf die Löschpapierkunst Andreas Spenglers. Professor Hans Burkhardt, seit 2000 Ehrensenator der Fachhochschule Hannover, hat dort über Jahrzehnte als Professor und Rektor gewirkt. Er zählt zu den bedeutenden Kalligraphen und lebt in Hannover. Professor Andreas Spengler wirkte als Psychiater und Psychotherapeut. Seine Arbeiten mit gebrauchten Löschpapieren stehen im ästhetischen Spiel mit der Kalligraphie Burkardts, dessen Vorlass die GWLB verwahrt. Die Veranstaltung würdigt das Schaffen beider Künstler und führt in die Ausstellung ein.

Di 14.3.2017 | 17.00 Uhr | VORFÜHRUNG
des Nachbaus der Leibniz'schen Rechenmaschine

Dipl.-Ing. Klaus Badur / Wolfgang Rottstedt

Im Januar 1675 stellte Gottfried Wilhelm Leibniz bei der Académie Royale des Sciences in Paris erstmals ein Modell seiner Rechenmaschine vor, mit der man Rechnungen in allen vier Grundrechenarten anstellen konnte. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten arbeitete Leibniz stets an einer Verbesserung. Durch die extrem hohen Fertigungskosten und die komplizierte Feinmechanik ging die Produktion jedoch nie in Serie. Zudem blieben Zweifel, ob die Maschine denn richtig funktionierte. Im Jahr 2005 konstruierten Klaus Badur und Wolfgang Rottstedt mit modernster, computergestützter Fertigungstechnik einen Nachbau und konnten damit Leibniz' korrekte Arbeit belegen. Dieser Nachbau wie auch das letzte Original der Leibniz'schen Rechenmaschine befinden sich in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.
Bei der Vorführung werden die Konstrukteure des Nachbaus die Funktionsweise der Rechenmaschine demonstrieren.

Dipl.-Ing. Klaus Badur ist Maschinenbauingenieur. Er war nach seinem Studium als Konstrukteur und Projektingenieur und zuletzt als Geschäftsführer eines Unternehmens für Sondermaschinen tätig.

Wolfgang Rottstedt ist Maschinenbaumeister und betrieb bis zu seinem Ruhestand eine Werkstatt für Feinmechanik und Maschinenbau.

Di 7.3.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft und der Juristischen Studiengesellschaft Hannover e. V.

Prof. Dr. Gábor Gángó

Leibniz und Osteuropa

Karte Osteuropa Eine Rekonstruktion von Gottfried Wilhelm Leibniz' Auseinandersetzung mit den militärischen, politischen, kulturellen und religiösen Ereignissen in Staaten und Gebieten jenseits der Ostgrenze des damaligen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verspricht Erträge, die auch außerhalb der Gemeinde der Leibniz-Forscher von Belang sein können. Leibniz' Einsichten sind wertvolle Beiträge zur Herausbildung des modernen Europabegriffes. Über die physischen oder symbolischen Grenzen sowie über die politische, kulturelle und religiöse Identität Europas reflektierend, öffnete Leibniz immer eine umfassende, auch die Peripherien mit einbeziehende Perspektive. Der Vortrag bezieht Aspekte wie Leibniz' Wissen und seine Wissbegier über diese Region sowie seine schriftstellerische, beratende und politische Tätigkeit, vor allem in Bezug auf Polen und Ungarn ein.

Prof. Dr. Gábor Gángó studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Philosophie an der ELTE Universität Budapest. Er ist Universitätsprofessor am Institut für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen der Katholischen Pázmány-Péter-Universität Budapest und seit 2016 Fellow am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Leibniz, frühneuzeitliche und neuzeitliche Philosophiegeschichte, sowie Kultur- und Ideengeschichte Ostmitteleuropas.

Do 23.2.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Alexander Košenina

Leibniz' Theodizee in der literarischen Kritik und Parodie

Das Erdbeben von Lissabon 1755 schien Leibniz' These einer Theodizee schlagartig in Frage zu stellen. Den Begründungsnöten in Philosophie und Theologie stehen kritische und parodierende Antworten in der Literatur gegenüber. Voltaires Lehrgedicht über das Desaster in Lissabon und seine Satire ?Candide, ou l'optimisme< werden in dem Vortrag Beispiele aus der deutschen Literatur an die Seite gestellt: Albrecht von Haller formuliert in seinen poetischen Reflexionen ?Über den Ursprung des Übels< schon vor dem Ereignis in Portugal skeptische Fragen, die Johann Karl Wezel in seinem philosophischen Thesenroman ?Belphegor oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne< radikal weiter diskutiert. Heinrich von Kleists Erzählung ?Das Erdbeben in Chili< vertieft diese Perspektiven schließlich zu existentiellen Gedanken über die Gesellschaft, Gerechtigkeit und Brüchigkeit der Welt überhaupt.

Prof. Dr. Alexander Košenina hat in Heidelberg und Berlin Germanistik und Philosophie studiert. Nach Lehrstuhlvertretungen in Saarbrücken, Darmstadt und Berlin und einer Professur in Bristol ist er seit 2008 Professor für Deutsche Literatur des 17. bis 19. Jahrhunderts an der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. Literatur und Naturwissenschaften, Verbrechensdarstellungen und anthropologische Fragen in der Frühen Neuzeit sowie die Aufklärung. Zahlreiche Veröffentlichungen.

Mi 1.2.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG UND BUCHVORSTELLUNG
gemeinsam mit der Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Prof. Birgit Dankert

Michael Ende - Gefangen in Phantásien

Michael Ende (1929-1995) gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Seine Werke haben Leser aller Altersgruppen begeistert und wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Mit der Biographie ?Michael Ende - Gefangen in Phantásien< von Birgit Dankert wird zum ersten Mal Michael Endes Leben und Gesamtwerk in den Blick genommen und in einen Zusammenhang gestellt. Die Autorin hat dazu umfangreiches Archivmaterial ausgewertet und Weggefährten befragt. Sie beschreibt Michael Endes Lebensweg von der Kindheit in München im sogenannten Dritten Reich über seinen Durchbruch zum weltweit bekannten Kinder- und Jugendbuchautor von ?Jim Knopf<, ?Momo< und der ?Unendlichen Geschichte< bis hin zu seiner Arbeit als Lyriker und Librettist. Dabei werden private Krisen und Enttäuschungen wie die ausbleibende Anerkennung als Theaterautor und Regisseur nicht ausgespart. ?Birgit Dankert hat sich tief in das Leben und Werk dieses Mythenschöpfers gegraben. Sie erzählt davon in einer angenehmen Klugheit. Ihre Biografie ist auch eine Lektion, die davon handelt, wie schwierig es ist, der zu sein, der man ist - und nicht der, der man sein will<, berichtete NDR Kultur.

Prof. Birgit Dankert hat an der Fachhochschule Hamburg Bibliotheks- und Informationswissenschaft gelehrt. Sie schreibt als ausgewiesene Expertin für Kinder- und Jugendliteratur regelmäßig für DIE ZEIT sowie diverse Fachzeitschriften und Magazine. Seit Dezember 2004 beherbergt die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek mit der etwa 2.000 Bände umfassenden ?Sammlung Birgit Dankert< eine der vollständigsten Privatsammlungen zum Thema deutsche Kinder- und Jugendliteratur.

Do 26.1.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG
in der Reihe LEIBNIZ-VORTRÄGE
gemeinsam mit der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Hans Poser

Leibniz und die Einheit der Wissenschaften

Leibniz hatte der Preußischen Akademie die Aufgabe zugewiesen, theoria cum praxi, ?Orientierungswissen und Verfügungswissen< zu vereinen. Zur Verwirklichung schlägt Leibniz eine Scientia generalis als Strukturmodell der Vielheit der Wissenschaften vor. Sie soll als Initia die methodische Basis umfassen, und als Specimina die Einzeldisziplinen (Mathematik, empirische Wissenschaften, Wertwissenschaften), ergänzt um eine Methodologie der Forschung und der Begründung. Diese Leibniz' sche Sicht ist heute noch bedeutsam, wenn wir einer postfaktischen Unvernunft entgegentreten wollen.

Prof. Dr. Hans Poser, Philosoph mit Staatsexamen in Mathematik und Physik, ist Brückenbauer zwischen den Wissenschaften, ihrer Geschichte und ihren metaphysischen Voraussetzungen. Heute emeritiert, war er an der TU Berlin tätig. Er hatte Gastprofessuren u.a. in Malawi, China, Moskau, Argentinien und den USA. Über Jahrzehnte war er Vizepräsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Artikel und Bücher zur Philosophiegeschichte.

Do 19.1.2017 | 17.00 Uhr | VORTRAG

Matthias Wehry

Krönungszug und Leibniz-Brief:
kostbare Neuerwerbungen für den Altbestand 2015 und 2016

Drucke aus Niedersachsen, Handschriften über die Welfen - in den Jahren 2015 und 2016 konnte die GWLB erneut herausragende Stücke für ihre historischen Sammlungen erwerben. Ausgewählte Kostbarkeiten werden im Vortrag im Kontext mit der überlieferten Sammlung dargestellt. Neben Neuerwerbungen für die Einbandsammlung und jüdischen Drucken aus Hannover wird als Highlight ein 6 cm hoher und 6 Meter langer handkolorierter Druck des Krönungszuges Georgs IV. erstmalig präsentiert. Der wertvollste Kauf aber war ein Leibniz-Brief, dessen Erwerb großzügigerweise von der Stiftung Niedersachsen und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wurde.

Matthias Wehry, Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

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