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Forum NS-Raubgut in Bibliotheken
Was ist der Offene Brief?
Die Hannoverschen Symposien, in deren Fokus die deutsche Bibliotheksgeschichte der Jahre 1933 bis 1945 steht,
finden seit 2002 statt. Eines ihrer Ziele war von Beginn an die Etablierung und Stärkung der Provenienzforschung
in deutschen Bibliotheken – und zunächst die Förderung des Bewusstseins, dass die Recherche nach
NS-Raub- und Beutegut bzw. nach verfolgungsbedingt entzogenen Beständen insbesondere aus jüdischem
Besitz eine historisch dringliche Aufgabe ist, der sich wohl alle öffentlichen deutschen Bibliotheken
stellen sollten und müssten.
Der Hannoversche Appell
des Symposiums „Jüdischer Buchbesitz als Beutegut” von 2002 hat große Resonanz
gefunden, und seither haben viele – wenn auch längst noch nicht genug – Bibliotheken erkannt,
dass es ihre moralisch-ethische und wissenschaftliche Pflicht ist, intensive, kritische Auseinandersetzungen mit
den „Erwerbungen” und Bestandserweiterungen der Jahre ab 1933 in Angriff zu nehmen.
Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Provenienzforschung auch dank umfangreicher Fördermaßnahmen
des Bundes und einiger Bundesländer sowie durch die Begründung der Berliner
Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/
-forschung zu einem höchst aktiven, komplexen und entschieden interdisziplinär orientierten, eng vernetzten
Forschungsfeld entwickeln können. Längst hat sich dabei die Erkenntnis durchgesetzt, dass erfolgreiche
Provenienzforschung nicht „nebenberuflich” und ohne umfassende Vorkenntnisse betrieben werden kann.
Auf Kulturgüter bezogene Provenienzforschung ist, vor dem Hintergrund der kriegerischen Geschichte des 20.
Jahrhunderts, eine politisch wie historisch sehr wichtige historische Spezialdisziplin, welche in ihrer speziellen
Ausprägung derzeit nirgendwo erlernt werden kann.
Angesichts der unermesslich hohen Anzahl von Kulturgütern und insbesondere Büchern, die nach 1933
ideologie- und kriegsbedingt verschoben und in öffentliche Einrichtungen, besonders Bibliotheken integriert
wurden, lässt sich die Annahme, dass es sich dabei nur um ein temporär wichtiges Forschungsfeld handeln
würde, in keiner Weise rechtfertigen: Die Provenienzforschung wird uns in Deutschland noch viele Jahrzehnte
beschäftigen müssen. Denn die Art und Weise des Umgangs mit der deutschen Vergangenheit der Jahre
1933–1945 ist immer auch eine öffentliche Stellungnahme, die international sehr genau wahrgenommen
wird. Diese Art und Weise des Umgangs ist aber eben auch dazu geeignet, die freiheitlichdemokratische Grundhaltung
der heutigen Informationsfachleute (Bibliothekare, Archivare, Dokumentare, etc.) und der heutigen politischen
Verantwortlichen öffentlich sichtbar zu machen und zu dokumentieren.
Aus diesen Gründen haben die mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des IV. Hannoverschen Symposiums
„NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archiven”, das im Mai 2011 auf Einladung der Gottfried
Wilhelm Leibniz Bibliothek, des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover und der Gedenkstätte Bergen-Belsen
veranstaltet worden ist, die Formulierung eines Offenen Briefes beschlossen, der den fördernden politischen
Entscheidungsträgern – dem Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann und der
Niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Professorin Dr. Johanna Wanka –
mittlerweile zugegangen ist. Der Wortlaut folgt unten.
Wir sind der Ansicht, dass die in diesem Schreiben formulierten Erkenntnisse alle Universitäten, Bibliothek,
Museen, sammelnden und bewahrenden Institutionen und viele gesellschaftlich relevante Gruppen angehen und –
hoffentlich – ihre breite Akzeptanz finden werden.
Deshalb bitten wir auch Sie, sich dieser Thematik anzunehmen, unsere folgend formulierten Anregungen zu
unterstützen, umzusetzen und zu verbreiten.
Offener Brief
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