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Projektstand Arbeitsbibliothek (Juni 2011)
Im Rahmen der Rekonstruktion der Arbeitsbibliothek von Gottfried Wilhelm Leibniz wurden bis zur Hälfte der zweiten Projektphase
folgende Arbeitspakete bearbeitet:
Hofbibliothek
Die Identifikation der Titel erfolgte auf Grundlage der erhaltenen handschriftlichen Inventare und Kataloge. Für die
Rekonstruktion der so genannten Hofbibliothek, die seit 1665 zunächst in drei Räumen des Leineschlosses aufgestellt war,
1676 an Leibniz übergeben wurde und nach dessen Tod schließlich in der Sammlung im neuen Archiv- und Bibliotheksgebäude
aufging, liegen insgesamt vier verschiedene Inventare, Kataloge und Handschriftenkonvolute für die Auswertung vor.
Ausgangspunkt der Erschließung bildet ein Bücherverzeichnis, das aus Anlass der Übergabe der fürstlichen
Bibliothek an den neuen Bibliothekar Leibniz angefertigt wurde. Es handelt sich um ein handschriftliches Inventar mit Angaben
zu Autor, Titel, Druckort und -jahr, das den Bestand bis 1676 verzeichnet und in der GWLB unter der Signatur „Noviss. 77”
aufbewahrt wird. Insgesamt konnten damit ca. 4.000 Titelangaben bearbeitet werden. Das Inventar verzeichnet außerdem 80
Nachträge aus dem Jahr 1677. Am Ende des Inventars von 1676 wurden von Leibniz selbst Ergänzungen im Umfang von mehr als
800 Titeln nachgetragen, die alle bibliographischen Einheiten zugeordnet werden konnten.
Eine weitere Quelle stellt das so genannte Manualregister dar (Bibliotheksakten A 1a), in dem die Neuerwerbungen des Zeitraums 1676
bis 1679 verzeichnet wurden. Aus dieser Liste konnten weitere 1.100 Titel erschlossen werden.
Ergänzt wird die Rekonstruktion der Hofbibliothek durch die Auswertung verstreut in den Bibliotheksakten aufbewahrter
Bücherlisten, wie beispielsweise Rechnungen des Hamburger Buchhändlers Gottfried Schultze aus den Jahren 1678 bis 1680,
durch die weitere Anschaffungen Leibniz’ ermittelt wurden.
Bibliothek Martin Fogel
Auf der Grundlage des gedruckten Auktionskatalogs wurde der vollständige Bestand der Bibliothek Martin Fogel verzeichnet,
die Leibniz 1678 für Herzog Johann Friedrich erworben hatte. Der von Leibniz annotierte Katalog liegt in der
Bibliothek unter der Signatur „Leibn. Marg. 45” vor und verzeichnet Autor, Titel, Druckort und -jahr. Es wurden an die
4.000 Titel bearbeitet.
Bibliothek Melchior Westenholz
Unter Zuhilfenahme der von Dr. Thomas Fuchs erarbeiteten Provenienz-Daten zum Altbestand der GWLB werden die erhaltenen Teile der
Büchersammlung Melchior Westenholz’ erschlossen, die Leibniz 1696 für die fürstliche Bibliothek angekauft hatte.
Mehr als 700 Titel, vielfach in Sammelbänden zusammengefasst, wurden bislang ermittelt, etwa 150 weitere Bände werden noch
bearbeitet.
Privatbibliothek
Von den im erhaltenen Inventar aus dem Jahr 1716 verzeichneten mehr als 5.000 Bänden wurden bislang 1.800 identifiziert.
Dabei wurde zunächst nach Sachgruppen vorgegangen: Neben den mathematischen Büchern wurden die theologischen und
philologischen Titel aus Leibniz’ Bibliothek ermittelt, also diejenigen Buchbestände, die bisher noch nicht in Publikationen
bekannt gemacht worden sind. Doppelverzeichnungen zu den bisher bearbeiteten Katalogen sind bei den Titeln zu erwarten, die nicht
Leibniz’ Büchersammlung, sondern der Hofbibliothek angehören und zu Studienzwecken in Leibniz’ Arbeitsräumen aufgestellt
waren. Die Identifizierung der Titel der Privatbibliothek gestaltet sich schwieriger als die der anderen Arbeitspakete, weil
die meisten Einträge nur die Beschriftung des Buchrückens wiedergeben und Druckorte wie Erscheinungsjahre in der Regel fehlen.
Dies erfordert besonders bei häufig aufgelegten Schriften einen Mehraufwand an Recherche und gelegentlich auch die Autopsie der
Bände.
Vorerst ohne Angabe einer Quelle wurden alle Drucke mit Marginalien von Leibniz verzeichnet. Im Zuge der vollständigen Auswertung
der Inventare kann auch die Zuordnung dieser Titel geklärt werden. In etlichen Fällen wurde durch Veröffentlichungen und
Hinweise des Leibniz-Archivs ein zusätzlicher Nachweis der Benutzung des Werkes durch Leibniz (Briefstelle, Lektürebericht,
Exzerpt) erbracht.
Zwischenergebnis
Insgesamt ergibt sich für die Rekonstruktion der Arbeitsbibliothek folgendes Bild: Es wurden rund 12.400 Titel ermittelt. Davon
wurden 4.800 Titel am alphabetischen Kapselkatalog der GWLB in einem eigenen Arbeitsgang abgeglichen und mit den entsprechenden
Signaturen versehen. Etwa 200 Titel konnten aufgrund mangelnder bibliographischer Angaben der Quelle nicht identifiziert werden.
Da noch 150 Bände Westenholz’ und 3.200 Bücher aus Leibniz’ privater Sammlung bearbeitet werden müssen, ergeben sich
für diese Teilbestände der Arbeitsbibliothek insgesamt 3.350 weitere Bände, die wissenschaftlich zu erschließen
sind. Die ermittelten Titel aller Teilsammlungen der Arbeitsbibliothek sind in Kürze in der entsprechenden Datenbank des Portals
LeibnizCentral recherchierbar.
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