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leibniz

Korrespondenz
Leibniz‘ Korrespondenz, die sich über mehr als 50 Jahre (1663-1716)
verfolgen läßt, gilt als die umfangreichste Gelehrtenkorrespondenz
des 17. Jahrhunderts. Das liegt auch an der außerordentlich guten Erhaltung
des Nachlasses, dem Leibniz‘ eigene sorgfältige Archivierung seiner Briefschaften
voranging. Vor allem aber war das Briefeschreiben eine von Leibniz‘ zentralen
Tätigkeiten - bereits in seinen Augen und in denen seiner Zeitgenossen.
Über 1100 Korrespondenten (und ca 20000 erhaltene Briefe) aus 16 Ländern
- über West- und Mitteleuropa hinaus nach Schweden und Russland und weiter
nach China - und allen Bevölkerungsschichten vom Angehörigen des Kaiserhauses
bis zum Handwerker; Korrespondenzen, von denen viele kurzlebig waren, von denen
immerhin ca 40% über mindestens drei Jahre, etliche sogar über 30
Jahre und mehr (die längste über 42 Jahre) geführt wurden: diesem
materiellen Befund steht gegenüber die Bedeutung, die Leibniz seinen Korrespondenzen
stets zugemessen hat.
Bereits in der Mainzer Zeit finden wir ein systematisch aufgebautes Korrespondentennetz,
das ungefähr 50 Personen umfaßt; eine Anzahl, die zunächst stagniert,
aber seit den späten 80er Jahren des 17. Jahrhunderts (Auftrag für
die Welfengeschichte, Italienreise, Veröffentlichung des Infinitesimalkalküls)
immer mehr zunimmt bis zum Maximum von knapp 200 Korrespondenten um die Jahrhundertwende
und auch bis zu Leibniz‘ letztem Lebensjahr nicht unter 120 absinkt. Gleichwohl
befindet sich dieses Korrespondentennetz mit seinen charakteristischen „Schlüsselpersonen“
und Informanten im Zustand der permanenten Erneuerung. Leibniz war lebenslang
auf der Suche nach neuen Korrespondenten; Reisen mit Aufenthalten in den Zentren
der Gelehrtenrepublik (Paris, London, Wien, Florenz, Rom, Berlin) brachten direkten
Kontakt, aus dem mitunter neue Korrespondenzen erwuchsen (z.B. Oldenburg, Huygens,
Ramazzini, Magliabechi).
Leibniz hat dieses Korrespondentennetz planmäßig eingesetzt; für
die eigene Selbstdarstellung ebenso wie für die Belange der ihm anvertrauten
hannoverschen Hofbibliothek, deren ständige Aktualisierung durch die briefliche
Information aus den Metropolen „über alles, was an Neuem und Interessantem
in Europa erschienen“ war, gewährleistet werden sollte, für die Rekrutierung
von Mitgliedern der Berliner Akademie, aber auch, den Gepflogenheiten der Gelehrtenrepublik
entsprechend, für die Einführung junger Europa-Reisender, die selbst
wieder eigene Netze bilden (Benzelius), oder für Reisende im Dienste des
Welfenhauses: auch die höfisch-adlige Welt nimmt an seinem Netz teil. Vor
allem aber im Dienste der Information und des gelehrten Diskurses: neben den
gelehrten Journalen ist die Korrespondenz Leibniz‘ eigentliches Fenster zur
Welt und gleichzeitig das Diskussionsforum; nach seinen eigenen Worten
hat er seine Gedanken vor allem in Briefen ausgedrückt. So dient die Korrespondenz
nicht nur der Information, dem Austausch von „nova literaria“, sondern auch
dem Dialog und der Kontroverse; alle Themen seiner Schriften, von der Mathematik
und der Physik über Philosophie und Theologie zur Geschichts- und Sprachwissenschaft,
vom Staatsrecht über die Volkswirtschaft zu technischen Errungenschaften
für das „bonum commune“, sind darin vertreten.
Damit ist die Leibniz-Korrespondenz „kein Begleitwerk zum uvre, sondern
integraler Bestandteil seines Werkes“ (G. Utermöhlen) - ein Bestandteil,
der bis zur postumen Veröffentlichung der großen philosophischen
Schriften in den Augen seiner Zeitgenossen beinahe die einzige schriftliche
Hinterlassenschaft seines Wirkens war.
Literatur: Georg Gerber, Leibniz und seine Korrespondenz,
in: Wilhelm Totok - Carl Haase (Hrsg.), Leibniz. Sein Leben - sein Wirken
- seine Welt, Hannover 1966, S. 141-172.
Gerda Utermöhlen, Der Briefwechsel des Gottfried Wilhelm Leibniz - die
umfangreichste Korrespondenz des 17. Jahrhunderts und der „république
des lettres“, in: Wolfgang Frühwald u. a. (Hrsg.), Probleme der Briefedition,
Bonn 1977, S. 87-104.
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